Bischof Krätzl: Gott hat keinen Gefallen an Gewalt
Wien, 22.9.06 (KAP) "Eine Religion, die mit Gewalt ausgebreitet wird, kann nicht der Wille Gottes sein." Das unterstreicht der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Weltreligionen zuständige Wiener Weihbischof Helmut Krätzl in einem Interview in der Freitag-Ausgabe der Tageszeitung "Die Presse". Krätzl verteidigt die Worte von Papst Benedikt XVI. in seiner Regenburger Rede zum Islam. Auch die Verwendung eines Zitates des byzantinischen Kaisers Manuel II. sei kein Fehler gewesen: "Man muss die ganze Rede lesen, und die hatte die Intention, sich mit dem Verhältnis von Vernunft und Glaube auseinander zu setzen", so Krätzl. Dem Papst sei es allgemein darum gegangen, dass eine Glaubensverbreitung mittels Gewalt im Widerspruch zum Wesen Gottes und zu Seele und Geist des Menschen stehe. "Gott hat keinen Gefallen an Blut", so der Wiener Weihbischof. Das sage der Kaiser im gesamten Zitat auch. Krätzl wörtlich: "Diese Feststellung muss doch jeder unterschreiben."
Der Papst habe - so Krätzl in dem Interview - offenbar nicht damit gerechnet, dass der eine kritisierte Satz "nur alleine gelesen" wird. Die Rede sei auf einem hochintellektuellen Niveau gewesen, wo man "annehmen müsste, dass sie in ihrer Zielspitze verstanden wird". Der Wiener Weihbischof äußerte sich dennoch "froh" darüber, dass der Vatikan so schnell reagiert habe. Das habe es - so Krätzl - bisher bei Irritationen nie gegeben.
Der Wiener Weihbischof brachte eine Lanze für den Dialog zwischen Christentum und Islam. Es gebe auf islamischen Seite natürlich verschiedene Denkrichtungen, auch sehr radikale, die nicht an einem Dialog interessiert sind. Das sei sehr bedauerlich. Aufgabe der Kirche sei es, jene "Kräfte, die zu einem Gespräch bereit sind, zu unterstützen - und das sind zahlenmäßig viele", so Krätzl.
Ein Abbau von Vorurteilen sei das Wichtigste für das Gedeihen eines Dialogs, "zu dem gerade jetzt erfreulicherweise Präsident Anas Schakfeh von der Islamischen Glaubensgemeinschaft selbst einlädt", so Krätzl in dem Interview. Die Angst vor einer anderen Religion sei ja oft ein Zeichen, dass man sich seiner Überzeugung nicht sicher genug ist.