Evolution und Glauben an Schöpfer sind vereinbar
Wien, 25.9.06 (KAP) Der Wiener Humangenetiker Prof. Markus Hengstschläger sagte am Sonntag in der Ö 3-Sendung "Frühstück mit Claudia Stöckl", er sei zwar der festen Überzeugung, dass der Mensch "Produkt einer evolutionären Entwicklung" ist. Doch müsse dies nicht notwendigerweise dem Glauben an einen Schöpfergott widersprechen. Hengstschläger: "Wer glaubt, braucht keine Beweise. Und er sollte sie auch gar nicht suchen". Als Beispiel verwies der Humangenetiker auf das Phänomen der Liebe, mit dem jeder Mensch selbstverständlich umgehe, das jedoch nicht "beweisbar" im Sinne der Naturwissenschaften sei. "Man kann den Glauben nicht mit den Maßstäben der Naturwissenschaften erklären; das will ich auch gar nicht", betonte Hengstschläger.
Leben nach dem Tod
Zur Frage nach einem "Leben nach dem Tod" meinte Hengstschläger: "Ein körperliches Leben nach dem Tod gibt es nicht". Dennoch bedeute dies nicht, dass es nicht ein "seelisches Weiterleben" nach dem Tod gebe, so der Naturwissenschaftler. Er halte den Gedanken des Lebens nach dem Tod darüber hinaus für bedeutend, da er sich persönlich nicht mit dem Gedanken der Endlichkeit abfinden könne: "Ich mag überhaupt nicht, dass Dinge einfach vorbei sind". Daher sei er sich "ziemlich sicher, dass danach noch etwas kommt".
Auf die Frage nach seiner Mitarbeit bei der Päpstlichen Akademie für das Leben antwortete Hengstschläger, er "lerne dort enorm Vieles", da der Vatikan wissenschaftliche Kongresse "mit den besten Top-Forschern weltweit" organisiere und eine besonders produktive Gesprächsatmosphäre schaffe. Bei den Vollversammlungen der Akademie sei auch der Papst anwesend. Beeindruckt zeigte sich der Naturwissenschaftler davon, dass der Papst den Sitzungen häufig als Zuhörer beiwohne und ihnen nicht im hierarchischen Stile vorsitze. Benedikt XVI. sei ein "sehr bescheidener Mensch, der zuhören kann", so Hengstschläger.
Die konkrete Arbeit der Akademie, der insgesamt etwa 80 Wissenschaftler aller Bereiche angehören, bestehe darin, Fragestellungen zu bearbeiten, die zumeist von Papst Benedikt XVI. vorgegeben werden. Er selbst sei dabei "immer wieder sehr beeindruckt, welche konkreten Fragen die katholische Kirche an die Akademie stellt", so Hengstschläger. Als Beispiel nannte er die Fragenach dem Beginn des menschlichen Lebens, die er selbst mit dem Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beantworte. Auch sei dies der Zeitpunkt, ab dem man von einer "Seele" sprechen könne, so der Wiener Humangenetiker. Die "Seele" sei "genau das, worüber ich keine Ahnung habe, weil sie unfassbar ist".