Papst ernennt 24 neue Kardinäle
Der Kreis der zu einer Papstwahl berichtigten Kardinäle erreicht dann mit 121 wieder die vorgeschriebene Höchstgrenze von 120. Die Europäer haben nicht mehr die absolute Mehrheit
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Papst Benedikt XVI. wird bei einem Konsistorium am 20. November 24 neue Kardinäle kreieren, darunter die Dikasterien-Chefs Angelo Amato (Italien; Heiligsprechungskongregation), Fortunato Baldelli (Italien; Pönitentiarie), Raymond Burke (USA; Apostolische Signatur), Kurt Koch (Schweiz; Einheitsrat), Velasio De Paolis (Italien; Ökonomie-Präfektur), Mauro Piacenza (Italien; Kleruskongregation) und Robert Sarah (Guinea; Cor Unum). Unter den Diözesanbischöfen, die Karindäle werden, sind Reinhard Marx (München), Laurent Monsengwo (Kinshasa), Kazimierz Nycz (Warschau), Malcolm Ranjith (Colombo) und Donald Wuerl (Washington).Vatikanstadt (KAP)
Unter den neuen Purpurträgern, die nicht zur Papstwahl zugelassen sind, weil sie über 80 sind, ist der frühere Präsident des Päpstlichen Historiker-Komitees Prof. Walter Brandmüller.
Mit dem Konsistorium, das Benedikt XVI. am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz ankündigte, erhöht sich die Zahl der katholischen "Senatoren" auf insgesamt 203. Der Kreis der zu einer Papstwahl berichtigten Kardinäle erreicht dann mit 121 wieder die vorgeschriebene Höchstgrenze von 120.
Kreiert werden die neuen Kardinäle durch ein Dekret des Papstes, das er bei einem Konsistorium verkündet. Dabei erhalten die neuen Würdenträger zu ihrem hellroten Gewand das Kardinalsbirett aus der Hand des Papstes.
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Zudem erinnert der Papst daran, dass der Titel "Kardinal" - vom lateinischen Wort "cardo" (Türangel) - ursprünglich dem Klerus von Rom zustand, der auch den Papst wählte. In der Vergangenheit bestand das Kardinalskollegium mehrheitlich aus Europäern, mit einem sehr großen Anteil an Italienern. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) vollzieht sich eine Internationalisierung. Europa stellt immer noch die größte Gruppe, jedoch nicht mehr die absolute Mehrheit.
Bekannt durch Hunthausen-Konflikt
Der neuernannte Kardinal Donald Wuerl, Erzbischof der US-Hauptstadtdiözese, gilt als Mann des Ausgleichs. In der Debatte um die Kommunionverweigerung für katholische Politiker, die von der Kirchenlehre abweichen, mahnte Wuerl in der Ära Bush eine pastorale Linie und mäßigende Töne an. Zugleich ist er einer der Wortführer der katholischen Position gegen Abtreibung. Als Verantwortlicher der US-Bischofskonferenz für Glaubensunterweisung gab er den neuen US-Katechismus heraus, noch bevor der Weltkatechismus erschien.
Der am 12. November 1940 geborene Nachfahre bayerischer Einwanderer studierte in Pittsburgh und Rom. Zwei Jahre nach der Priesterweihe wurde er 1968 Privatsekretär des späteren Kurienkardinals John Wright, für den er zehn Jahre lang in der vatikanischen Kleruskongregation tätig war.
International bekannt wurde Wuerl Ende 1985, als der Vatikan ihn zum Weihbischof in Seattle machte - und ihm etliche Aufgaben seines Erzbischofs Raymond Hunthausen übertrug, gegen den wegen umstrittener Äußerungen zur Sexualmoral und zur Friedenspolitik eine kirchliche Untersuchung eingeleitet worden war. Nach gut einem Jahr wurde Wuerl aus Seattle abberufen, pausierte eine Zeitlang und wurde 1988 zum Bischof seiner Heimatdiözese Pittsburgh ernannt. Im Juni 2006 erfolgte die Berufung zum Erzbischof der US-Hauptstadt, wo er 2008 Gastgeber des Papstes war.
Ratzinger-Mitarbeiter
Der Salesianer-Erzbischof Angelo Amato, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, galt als fester Kandidat für das Kardinalskollegium. Er war als Sekretär der Glaubenskongregation einer der engsten Mitarbeiter von Kardinal Joseph Ratzinger.
Amato wurde am 8. Juni 1938 in Molfetta bei Bari geboren und empfing 1967 die Priesterweihe. Nach dem Lizenziat in Theologie an der römischen Salesianer Universität und dem Doktorat an der Gregoriana wurde er Professor an seiner Ordensuniversität. Zwischen 1997 und 2000 war er dort auch Vize-Rektor. Ende 2002 ernannte Johannes Paul II. ihn zum Erzbischof und machte ihn zum "zweiten Mann" an der Glaubensbehörde, der er zuvor bereits als Berater angehörte. Im Sommer 2008 wechselte Amato dann an die Spitze der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.
Velasio De Paolis betreut als Präsident der vatikanischen Wirtschaftspräfektur eine besonders schwierige und heikle Aufgabe an der römischen Kurie: Er überwacht ähnlich einem Rechnungshof die Verwaltungen des Heiligen Stuhls und erstellt die Bilanzen. Zuvor war der am 19. September 1935 bei Latina in der Nähe von Rom geborene Geistliche als Kirchenjurist tätig. Von 2003 bis 2008 war De Paolis Sekretär und damit "Zweiter Mann" im Obersten Gericht der Apostolischen Signatur.
Vor seiner Bischofsweihe wirkte De Paolis als Professor für Kirchenrecht an der Päpstlichen Urbaniana-Universität. Derzeit ist er auch als Sonderbeauftragter des Papstes für die durch ihren Gründer in Turbulenzen gestürzte Ordensgemeinschaft "Legionäre Christi" tätig.
Erfolgreicher Priesterjahr-Manager
Als Präfekt eines großen vatikanischen Ministeriums galt auch der Norditaliener Mauro Piacenza als sicherer Anwärter auf einen Sitz im Kardinalskollegium. Anfang Oktober übernahm er von dem Brasilianer Claudio Hummes die Leitung des Kleruskongregation, deren Sekretär er bis dahin war.
Piacenza wurde am 15. September 1944 in Genua geboren. Nach seiner Priesterweihe 1969 promovierte er in Kirchenrecht. Nach verschiedenen Aufgaben in Lehre und Seelsorge seiner Heimatdiözese wechselt er 1990 nach Rom in die Klerus-Kongregation. Dort avancierte er 1997 zum Büroleiter und im Jahr 2000 zum Untersekretär. Im Oktober 2003 machte Johannes Paul II. ihn zum Präsidenten der Kommission für die Kulturgüter im Rang eines Erzbischofs. Bereits 2007 kehrte er wieder in die Kleruskongregation zurück, als deren "Zweiter Mann". Nach Ablauf des erfolgreichen Priesterjahres 2009/10 trat er nun an die Spitze der für die katholischen Diözesanpriester (mit Ausnahme der Missionsländer und der Ostkirchen) zuständige Vatikan-Behörde.
Außer den anfangs genannten erhalten auch der koptisch-katholische Patriarch Antonios Naguib (75), die Diözesan- Erzbischöfe von Palermo und Aparecida bei Sao Paulo, Paolo Romeo (72) und Raymundo Damasceno Assis (73), der Erzpriester von St. Paul vor den Mauern, Erzbischof Francesco Monterisi (76), der Pro-Patron des Malteserordens, Erzbischof Paolo Sardi (76), sowie die emeritierten Erzbischöfe Medard Joseph Mazombwe (79; Lusaka) und Raul Eduardo Vela Chiriboga (76; Quito) den Kardinalspurpur.
Als Über-80-Jährige, die nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen dürfen, nominierte der Papst neben Walter Brandmüller den emeritierten spanischen Militärbischof Jose Manuel Estapa Llaurens (84), den emeritierten Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Elio Sgreccia (82), sowie Prälat Domenico Bartolucci (93), emeritierter Chorleiter der Cappella Sistina.