Trauer um Dutzende getötete irakische Christen
Papst Benedikt nach Attentat in der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad: "Ich bete für die Opfer dieser absurden Gewalt, die umso schrecklicher ist, als sie wehrlose Menschen getroffen hat"
"Gestern Abend gab es bei einem sehr schweren Attentat in der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad Dutzende von Toten und Verletzten, darunter zwei Priester und eine Gruppe von Gläubigen, die zur Sonntagsmesse versammelt waren", sagte der Papst: "Ich bete für die Opfer dieser absurden Gewalt, die umso schrecklicher ist, als sie wehrlose Menschen getroffen hat, die im Haus Gottes versammelt waren, das ein Haus der Liebe und der Versöhnung ist."
Benedikt XVI. bekundete der christlichen Gemeinde im Irak seine Verbundenheit und Solidarität: "Ich ermutige die Hirten und alle Gläubigen, stark zu sein und fest in der Hoffnung. Angesichts der schrecklichen Gewalt, die weiterhin die Völker im Mittleren Osten quält, möchte ich meinen eindringlichen Friedensappell wiederholen: Frieden ist ein Geschenk Gottes, aber er ist auch das Resultat der Bemühungen von Menschen guten Willens, von nationalen und internationalen Institutionen. Mögen alle ihre Kräfte vereinen, damit jede Gewalt aufhört."
Der Überfall auf eine katholische Kirche in Bagdad dürfte mindestens 52 Menschenleben gefordert haben. 52 Geiseln und Polizisten seien bei der Erstürmung am Sonntagabend getötet worden, 67 weitere verletzt worden, teilte das irakische Innenministerium am Montag mit. Extremisten mit Verbindungen zur islamistischen Al-Kaida-Organisation hatten mehr als 100 irakische Katholiken in der Kirche als Geiseln genommen.
Tief betroffen zeigte sich Vatikan-Sprecher Federico Lombardi über das Geiseldrama. Es zeige, wie schwierig die Lage für Christen in der Region sei. "Die Christen leben in einer Situation von großer Unsicherheit, und wir bekunden ihnen unsere Solidarität", so Lombardi wörtlich.
Unterdessen hat sich eine irakische Terrorgruppe mit Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk zu dem Anschlag bekannt. Die Gruppierung "Islamischer Staat Irak" (ISI) wollte damit gegen die christliche Religion im Irak vorgehen und zugleich die Freilassung von zwei in ägyptischen Klöstern versteckten islamischen Konvertitinnen erpressen, hieß es in einem angeblichen Bekennerschreiben. Das meldete der römische Pressedienst asianews am Montag unter Berufung auf ein Kommunique der ISI, das vom US-Zentrum für die Überwachung islamistischer Internetseiten (SITE) verbreitet worden war.
Laut Bekennerschreiben hatte ISI den ägyptischen Behören ein Ultimatum von 48 Stunden gestellt, um die Frauen von zwei koptischen Priestern, die angeblich zum Islam übergetreten sind, freizulassen. Laut ISI würden Camellia Shehata und Wafa Constantine nach ihrer Bekehrung in einem "Kloster des Unglaubens" festgehalten.
"Eine Gruppe von Mudschahedin hat - in Zorn für den Glauben Allas - einen Anschlag auf eine obszöne Zufluchtsstätte des Götzendienstes verübt, die seit geraumer Zeit von den Christen des Irak als Basis für ihren Kampf gegen die Religion des Islam und zur Unterstützung derer genutzt wurde, die diese Religion bekämpfen", zitierte asianews aus der Transkription von SITE. Der Anschlag auf die Kirche haben den Zweck verfolgt, "unseren armen gefangenen muslimischen Schwestern in Ägypten zu helfen".
Angaben zu Toten und Verletzten unter den Geiselnehmern machte das Irakische Innenministerium am Montag nicht. Wie die "Assyrische internationale Nachrichten-Agentur" am Montag berichtete, wurden mindestens fünf der Angreifer getötet. Die Geiselnehmer hatten laut Bericht zunächst vergeblich die Börse in Bagdad attackiert, bevor sie in die nahe Kirche eindrangen. Unklar ist laut assyrischer Nachrichten-Agentur, wie weit auch amerikanische Truppen in das Geschehen eingriffen. Der Bericht verwies auf Augenzeugen, die amerikanische Hubschrauber über der Kirche kreisen sahen.
Nach Angaben des Erzbischofs von Kirkuk, Louis Sako, sind im Irak seit Kriegsbeginn vor sieben Jahren rund 900 Christen ums Leben gekommen, darunter zwei Erzbischöfe. Wenn es nicht eine "radikale Lösung" gebe, werde die christliche Minderheit verschwinden, sagte Sako kürzlich vor der Menschenrechtskommission im italienischen Senat. Vor dem Krieg habe die christliche Gemeinschaft im Irak 900.000 Mitglieder gezählt; inzwischen seien es weniger als 400.000.
Wer im Irak kein Muslim sei, sei "ein Bürger zweiter Klasse", sagte der Erzbischof der nordirakischen Stadt. Die Bevölkerung betrachte Christen als Teil des Westens; deshalb würden sie verfolgt. Die christliche Minderheit sei nicht frei. "Oft ist es nötig, zu konvertieren oder auszuwandern, andernfalls riskiert man getötet zu werden", sagte der Kirchenführer.