Bischof Scharl: "Sonntag ist Taktgeber"
Wien, 28.9.06 (KAP) Die Sonn- und Feiertage sind wichtige "Taktgeber" für das persönliche und gesellschaftliche Leben und wesentliche Elemente einer "Freizeitkultur". Das betonte der Wiener Weihbischof Franz Scharl in Salzburg bei einer Tagung zum Welttourismustag. Der Mensch brauche, um Sinn und Orientierung nicht zu verlieren bzw. zu finden, Rhythmen in seinem Leben. Er komme daher "um eine Sonn- und Feiertagskultur nicht herum", so Scharl.
Es gebe heute eine starke Sehnsucht und Suche nach Sinn und Gemeinschaft, wie der Wiener Weihbischof vor Touristikfachleuten feststellte. Die Kirche helfe auf dieser Suche mit "ganz einfachen Dingen wie dem Sonntag" oder den wieder stark nachgefragten Pilgerangeboten. "Die Suche nach dem Sinn ist die Suche nach dem rechten Weg im Leben. Schnell irgendwo sein, heißt noch nicht, den richtigen Weg zum Ziel genommen zu haben", sagte der Weihbischof. Zudem sei die Kirche als Gemeinschaft dazu berufen, "Begegnung zu ermöglichen und Begegnungsort zu sein".
"Spiritueller" Tourismus boomt
Der Wiener Zukunfts- und Trendforscher Andreas Reiter sprach ebenfalls von einem wachsenden "Hunger nach Orientierung und Lebenskunst". Umso attraktiver würden "kulturelle Dienstleister und Sinnstifter"; es gebe im Tourismus bereits eine "ganze Palette spirituell aufgeladener Produkte". Reiter wies darauf hin, dass weltweit rund 260 Millionen Gläubige pro Jahr eine Pilgerreise unternehmen; allein nach Santiago de Compostela seien jährlich 240.000 Menschen unterwegs. "Klöster als Destinationen boomen, ob im Urlaub oder auf Seminar - sie sind hochwertige Anker, die Orientierung und Sinn versprechen. Hunderte Klöster in ganz Europa versprechen ihren Gästen spirituelle Impulse", so der Trendforscher.
Der Tourismus-Trend "Better Aging" - die starke Nachfrage nach Hilfen für ein Altern in Gesundheit und Schönheit - "hat eine Schwester: die Sinnsuche", so Reiter: "Wer bin ich, wohin gehe ich? Eine existenzielle Frage, auf die Menschen vor allem in der Freizeit eine Antwort suchen. Denn nur dort haben sie die Zeit-Hoheit über sich selbst, können also in Ruhe nachdenken über die Dinge, die sie wirklich bewegen". Gäste suchten inihrer Freizeit wieder jenen "Boden unter den Füssen, der ihnen im Alltag oft weggezogen wird", authentische Orte. Das erkläre etwa die Attraktivität eines Urlaubs im Kloster: "Je bedrohlicher und unberechenbarer die Welt wird, desto mehr sind Menschen auf der Suche nach emotionalen Werten, nach Echtheit und Authentizität. Heimweh ersetzt Fernweh", so Reiter.
Die Tagung am Mittwochnachmittag im Salzburger Kardinal-Schwarzenberg-Haus stand unter dem Motto "Tourismus als wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bereicherung". Veranstalter war das Tourismusreferat der Erzdiözese Salzburg zusammen mit der Wirtschaftskammer und dem Land Salzburg.
Auch in Tirol
Auch in Tirol gehen Kirche und Wirtschaft aus Anlass des Welttourismustages gemeinsam den Trends, Chancen und Problemen des Tourismus einschließlich des Wallfahrtswesens nach. In der Innsbrucker Hotelfachschule "Villa Blanca" stellte der Tiroler Tourismusseelsorger Dechant Eduard Niederwieser biblisch-ethische Überlegungen zum Thema an; Trendforscher Reiter war auch in Innsbruck unter den Referenten.
Für Mittwoch, 4. Oktober, laden die Diözese Innsbruck sowie Tiroler Wirtschaftskammer und Tirol Werbung alle in der Reisewirtschaft Tätigen zur bereits traditionellen "Tourismuswallfahrt" nach St. Georgenberg bei Vomp. Die Wallfahrt startet beim Benediktinerstift Fiecht und führt zur Wallfahrtskirche St. Georgenberg, wo Tourismusseelsorger Niederwieser den Festgottesdienst feiern wird.
Der von der UNO ausgerufene Welttourismustag wurde heuer zum 27. Mal begangen.