Schönborn: Ökumene braucht gute persönliche Kontakte
Wien-Sofia, 28.9.06 (KAP) Die Bedeutung der guten persönlichen Kontakte zwischen den Kirchenvertretern für die Fortschritte in der Ökumene hat Kardinal Christoph Schönborn betont. Bei seiner Rückkehr von einem zweitägigen Aufenthalt in Bulgarien am Donnerstag sagte Kardinal Schönborn im Gespräch mit "Kathpress" und "Radio Stephansdom", dass bei seinem Besuch in Bulgarien zu spüren war, wie wichtig etwa Metropolit Kyrill von Varna die Verbindung zu den katholischen Christen ist. Der Wiener Erzbischof war auf Einladung von Metropolit Kyrill mit einer "Pro Oriente"-Delegation nach Bulgarien gereist und hatte am Mittwoch die internationale Tagung "Bulgarien auf dem Weg" in Varna eröffnet.
"Ich denke, die wichtigsten Schritte der Ökumene sind immer über persönliche Kontakte gegangen", erinnerte Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch mit "Radio Stephansdom" an Papst Johannes XXIII. und an Konzilsväter wie Kardinal Franz König. "Nicht zuletzt deshalb habe ich der Einladung von Metropolit Kyrill nur zu gern entsprochen und auf seinen Besuch in Wien geantwortet", so der Wiener Erzbischof.
Auch Metropolit Kyrill, der zur Zeit den erkrankten bulgarischen Patriarchen Maksim vertritt, betonte die Wichtigkeit der Ökumene: "Die Zukunft sehe ich im Miteinander", so der bulgarisch-orthodoxe Metropolit im Gespräch mit "Kathpress" und "Radio Stephansdom". Die Entscheidung der bulgarisch-orthodoxen Kirche, aus dem Weltkirchenrat auszutreten, sei vielleicht "übereilt" gewesen, betonte der Metropolit weiter. Natürlich habe es dafür Gründe gegeben, aber "es ist meine persönliche Überzeugung, dass die bulgarisch-orthodoxe Kirche ihre Haltung in dieser Frage überdenken muss", so Metropolit Kyrill wörtlich.
Kardinal Schönborn meinte dazu, dass die Abwendung der bulgarisch-orthodoxen Kirche vom Weltkirchenrat keine Abwendung von der Ökumene an sich bedeute. Ökumene dürfe sich nicht mit oberflächlichen Freundlichkeiten begnügen: "Gegenseitige Begegnungen sind nie Einbahnstraßen. Wir können von der Jahrhunderte langen Treue der orthodoxen Kirchen zur Liturgie, zum Mönchtum, lernen und lernen wie man eine christliche Existenz auch unter schwierigen Rahmenbedingungen durchhalten kann".
Beim Blick auf die orthodoxe Kirche müsse man immer die lange Abhängigkeit in der Zeit der osmanischen Herrschaft und des Kommunismus bedenken, so der Wiener Erzbischof. "Es fehlt der bulgarisch-orthodoxen Kirche an finanziellen und menschlichen Ressourcen. Aber vielleicht ist diese Situation der Armut nach jahrelanger Bedrängnis auch eine Chance, dem Evangelium besonders nahe zu sein und so Kirche glaubwürdig zu leben", so Kardinal Schönborn.
"Dass die bulgarisch-orthodoxe Kirche in der Zeit des Atheismus Schwierigkeiten hatte und in ihrer pastoralen Arbeit eingeschränkt war, ist bekannt. Aber jetzt ist die Kirche frei", bestätigte Metropolit Kyrill. Wörtlich sagte der Metropolit: "Seit dem Jahr 2000 bemerke ich, dass immer mehr junge Menschen nicht nur den Gottesdienst formal besuchen, sondern ihren Glauben und etwa die Vorbereitung auf die Heilige Kommunion ernst nehmen".
Im Hinblick auf den EU-Beitritt Bulgariens am 1. Jänner 2007 betonte der Metropolit von Varna: "Für unser Verhältnis zur Europäischen Union gilt das selbe wie für das zum Weltkirchenrat: Es ist besser, wir nehmen daran teil und können Zeugnis ablegen".
Europa müsse aber ein Kontinent "mit vielen Gesichtern" bleiben, betonte Metropolit Kyrill. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Bulgarien vom Beitritt in die Europäische Union am 1. Jänner 2007 profitieren wird. "Ich hoffe, dass die Gesetzgebung gerechter und menschlicher wird und dass die Korruption verschwindet. Das sind Dinge, die unserer Entwicklung entgegenstehen", erklärte Metropolit Kyrill.