"Der Papst wollte kein Öl ins Feuer gießen"
Graz-Wien, 28.9.06 (KAP) Papst Benedikt XVI. wollte mit seiner Regensburger Rede "sicher kein Öl in irgendein Feuer gießen". Dies betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari in einem "News"-Gespräch. Der Papst rede immer "deutlich", aber nicht "provozierend", betonte der Bischof. Wörtlich stellte Kapellari fest: "Wenn man beisammen lässt, was er an der Uni in Regensburg gesagt hat, dann gäbe es eigentlich keinen Grund für so massive Missverständnisse".
Bischof Kapellari rief im "News"-Gespräch in Erinnerung, dass es - entgegen populären Vorstellungen - für Juden, Christen und Muslime nur einen Gott gibt. Das Zweite Vatikanische Konzil und die Päpste hätten immer wieder unterstrichen, dass es derselbe Gott ist, "den alle drei Religionen suchen und anrufen". Die Frage sei aber, welches Gottesbild dominiere. Kapellari: "Nach christlicher Überzeugung hat sich Gott in Jesus Christus am radikalsten geoffenbart, er ist kein harmlos lieber Gott, aber zutiefst der Gott der Bergpredigt. Gott ist Liebe, und Krieg in seinem Namen ist Gotteslästerung".
Grundsätzlich diagnostizierte Bischof Kapellari einen großen "Aufklärungsbedarf" zwischen den beiden Religionen, sowohl im Westen als auch in der islamischen Welt. Nach wie vor werde im islamischen Bereich den Christen oft nachgesagt, dass sie mit dem Dreifaltigkeitsglauben "Vielgötterei" (shirq, "Beigesellung") betreiben.
Der Dialog mit dem Islam sei schwierig, weil er "politisch belastet" ist, betonte Bischof Kapellari. Zudem stehe er im Verdacht, dass man einander "unterwerfen" wolle. Trotzdem gelte aber: Wenn man nicht miteinander redet, werde man einander weiter nur misstrauen oder sogar aufeinander schießen.