Papst Benedikt kreierte 24 neue Kardinäle
Einen Tag nach dem großen Konsistorium feierte der Papst mit den 24 neuen Kardinälen gemeinsam die Messe, bei der er zur Einigkeit in der Kirchenleitung aufrief
Image (img2) invalid or missing |
|
Vatikanstadt, 21.11.2010 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat die neuen Kardinäle zum Dienst für den Glauben an Christus und für die Kirche aufgerufen. Dazu gehöre auch die Einigkeit der Kirchenleitung, sagte der Papst am Sonntag im Petersdom. Einen Tag nach dem großen Konsistorium feierte der Papst mit den 24 neuen Kardinälen gemeinsam die Messe. Bei dem Gottesdienst steckte er den Würdenträgern den Kardinalsring an; er steht für die Verbundenheit mit Christus, der Kirche und dem Papst. An der Feier nahmen das Diplomatische Corps und viele tausend Gläubige teil.
Benedikt XVI. bezeichnete in seiner Predigt den Dienst für den Glauben an Christus als oberste Aufgabe. Zu diesem Glauben gehöre untrennbar die "Logik des Kreuzes" und der "Skandal des Kreuzes", unterstrich er. Nicht eine Idee oder Strategie, sondern die Liebe zu Christus halte die Kirche zusammen.
Weiter sagte Benedikt XVI.: "Der Papst und die Kardinäle sind aufgerufen, vor allem darin fest vereint zu sein: Alle müssen, unter der Leitung des Nachfolgers des Petrus, in der Herrschaft Gottes geeint bleiben und gemäß der Logik des Kreuzes denken und handeln - und das ist nicht leicht und billig zu haben." Der Primat des Petrus stehe "völlig im Dienst des Primats Christi". Seine Herrschaft der Liebe solle das Angesicht der Erde erneuern, damit auf ihr Frieden und Gerechtigkeit sprieße.
Image (img3) invalid or missing |
|
|
Papst Benedikt XVI. |
Mit der Festmesse zum Christkönigsfest sind die Feierlichkeiten rund um das Konsistorium noch nicht abgeschlossen. Am Sonntagabend feiern viele Kardinäle mit ihren Gästen in römischen Kirchen Vesper-Gottesdienste. Am Montag steht eine Papstaudienz für die Kardinäle und ihre Begleitung in der vatikanischen Audienzhalle an.
Im Vatikan hatte am Samstagvormittag das feierliche Konsistorium begonnen, bei dem Benedikt XVI. 24 Männer der katholischen Kirche zu Kardinälen kreierte. Mit der Feier im Petersdom erweitert er sein oberstes Beratergremium, das Kardinalskollegium, auf den Rekordstand von 203 Mitgliedern. Zu den neuen Purpurträgern gehören auch Erzbischof Reinhard Marx (57) von München und Freising, der Augsburger Kirchenhistoriker Walter Brandmüller (81) sowie der neue vatikanische Ökumene-Minister Kurt Koch (60) aus der Schweiz.
Zu Beginn der Feier verlas Benedikt XVI. die Liste der 24 Würdenträger, die er neu für das Kardinalskollegium bestimmt hatte. Lauter Applaus begleitete die Nennung der Namen und ihrer Funktionen. Besonders laut und lang war der Beifall für Erzbischof Laurent Monsengwo Pasinya von Kinshasa im Kongo und für den Münchner Marx.
Im Namen der neuen Mitkardinäle dankte der italienische Kurienpräfekt Angelo Amato dem Papst für die Berufung in das Heilige Kollegium. Die neuen Kardinäle kämen aus verschiedensten Weltreligionen und versähen unterschiedliche Aufgaben in der Kirche. Geeint seien sie aber alle im Glauben an Gott, im Gehorsam gegenüber dem Papst und im treuen Dienst für die Kirche.
Die prominenteste Aufgabe der Kardinäle besteht in der Teilnahme an einem Konklave zur Papstwahl. Daran könnten jedoch nur die 121 Würdenträger teilnehmen, die die vorgeschriebene Altersgrenze von 80 Jahren noch nicht erreicht haben. Die 24 neuen Kardinäle kommen aus 13 Ländern. 15 von Ihnen sind Europäer, 4 Afrikaner, je 2 Vertreter aus Nord- und Südamerika sowie ein Asiate. Zur Feier im Petersdom waren die sogenannten Kardinalsfamilien der neuen Purpurträger sowie offizielle Delegationen aus ihren Heimatländern angereist. Dazu gehören Vertreter kirchlicher Gruppen, aber auch Spitzenpolitiker und Vertreter des öffentlichen Lebens. Aus Deutschland kam unter anderen der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).
"Band der Gemeinschaft"
In seiner Predigt unterstrich Benedikt XVI. das enge Band der Gemeinschaft, das die neuen Kardinäle mit dem Papst verbinde. Er habe Persönlichkeiten aus verschiedenen Teilen der Welt ausgewählt, die wichtige Diözesen oder die Behörden der römischen Kurie leiteten oder die mit "beispielhafter Treue der Kirche und dem Heiligen Stuhl gedient" hätten. Allerdings bedeute dieser Dienst für die Kirche nicht Macht und Dominanz, sondern Gehorsam gegenüber Gott und Einsatz für die Kirche und ihre Gläubigen, so der Papst.
Der Dienst in der Kirche folge anderen Regeln, einer anderen Logik und einem anderen Modell als in der Welt. "In der Kirche gibt ist keinen Patron, vielmehr werden alle berufen und entsandt, erreicht und geführt von der göttlichen Gnade". In der Kirche gelte die "Logik des Dienens und die Logik des Kreuzes, die Grundlage aller Ausübung von Autorität sind", so der Papst. Dazu gehöre das Hören auf die Botschaft Gottes und die Nachfolge Christi. Dazu gehöre aber auch die Bereitschaft, das eigene Blut im Dienst für Christus und die Kirche zu vergießen.
Nach dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis schworen die neuen Würdenträger dem Papst Treue und Gehorsam. Anschließend trat jeder einzeln vor Benedikt XVI. hin, der ihm das Kardinalsbirett aufsetzte und die Ernennungsbulle überreichte. Erster war Kurienpräfekt Amato. Auf ihn folgte der katholisch-koptische Kardinal Antonios Naguib. Im setzte der Papst die charakterische schwarze Kopfbedeckung der Ostkirchen auf. Als siebter folgte dann der Schweizer Kurt Koch, der vor drei Monaten vom Papst zum Präsidenten vatikanischen Einheitsrates ernannt worden war. Auf die Kurievertreter folgten die Diözesanbischöfe. Als 20. und damit letzten dieser Gruppe machte Benedikt XVI. den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, zum Kardinal. Auf in folgten die vier über 80-jährigen Kardinäle.
Titelkirchen zugewiesen
Bei der Zeremonie wies der Papst jedem Kardinal seine römische Titelkirche zu. Marx erhielt "San Corbiniano", die derzeit in Partnerschaft mit der Erzdiözese München-Freising in Infernetto nahe Ostia gebaut wird. Kardinal Brandmüller erhielt als Titelsitz die römische Diakonie San Giuliano dei Fiamminghi nahe dem Largo Argentina zugewiesen. Der neue Schweizer Kardinal erhielt als römischen Titelsitz die Diakonie "Nostra Signora del Sacro Cuore" (Gottesmutter vom Heiligen Herzen) an der zenralen Piazza Navona zugewiesen. Es ist das Gotteshaus auf Höhe von Berninis Vier-Ströme-Brunnen, gegenüber der Kirche San Agnese, das sowohl von der Piazza Navona wie vom Corso Rinascimento zugänglich ist. Sie war früher spanische Nationalkirche und ist auch unter dem Namen "San Giacomo degli Spagnoli" (St. Jakob der Spanier) bekannt.
Nach der offiziellen Ernennung durch den Papst nahmen die neuen Kardinälen die Glückwünsche ihrer Amtsbrüder entgegen. Rund 150 Kardinäle waren aus aller Welt zum Konsistorium in den Vatikan gereist, unter ihnen der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn.
Mit dem Schlusssegen des Papstes ging das dritte Konsistorium Benedikts XVI. zuende. Am Sonntag wird der Papst mit den neuen Kardinälen eine erste gemeinsame Messe feiern. Für den Samstagnachmittag standen die "Visite di colore" auf dem Programm. Dabei nehmen die neuen Purpurträger in verschiedenen Räumlichkeiten des Vatikans die Glückwünsche ihrer "Kardinalsfamilien", der angereisten Delegationen und von vielen Gläubigen aus Rom entgegen.