Papst-Interview: "Optimistisches Bild der Weltkirche"
Das Buch "Licht der Welt", das ein Gespräch von Benedikt XVI. mit dem deutschen Journalisten Peter Seewald wiedergibt, sei familiär, vertraulich, ironisch und bisweilen sarkastisch
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Papst Benedikt XVI. entwirft in seinem Interview-Buch nach den Worten von Kurienerzbischof Rino Fischella ein optimistisches Bild der Weltkirche, ohne Negatives zu verharmlosen. Das Werk enthalte das seelsorgerische Programm und die Erwartungen des Papstes für die Zukunft der Kirche, sagte der Präsident des neu gegründeten Vatikan-Rates für die Neuevangelisierung am Dienstag während der Vorstellung des Buches "Licht der Welt" im Vatikan. Kirche bedeute für Benedikt XVI. stets Weltkirche und beschränke sich nicht nur auf eine bestimmte geografische Zone.Vatikanstadt (KAP)
Das Buch, das ein Gespräch von Benedikt XVI. mit dem deutschen Journalisten Peter Seewald wiedergibt, sei familiär, vertraulich, ironisch und bisweilen sarkastisch, sagte Fisichella. Vor allem zeichne es jedoch eine große Einfachheit und Wahrhaftigkeit aus. Benedikt XVI. lasse ein breites Publikum an seinem Denken teilhaben.
Fischella hob hervor, dass die in dem Buch enthaltene Äußerung des Papstes, der Gebrauch von Kondomen könne in Ausnahmefällen hinnehmbar sein, nicht isoliert betrachtet werden dürfe. Diese Aussage müsse stets vor dem Hintergrund der ganzen katholischen Sexualmoral gesehen werden. Diese behalte Sexualität der Ehe vor und sehe in ihr den Ausdruck ehelicher Liebe. Die katholische Kirche wende sich gegen jede Instrumentalisierung von Sexualität.
Vatikansprecher P. Frederico Lombardi bekräftigte, dass die Äußerung des Papste über Kondome keine grundlegende Neuerung in der kirchlichen Lehre darstelle. In diesem Sinne hatte sich Lombardi schon am Sonntag nach einer Vorabveröffentlichung von Passagen des Interview-Buchs im "Osservatore Romano" geäußert. Der Papst selbst habe diese Erklärung gegengelesen und autorisiert, sagte Lombardi.
Der Vatikansprecher wies zudem darauf hin, dass Benedikt XVI. bei seinem Beispiel für einen Kondom-Gebrauch die Prostitution generell im Blick gehabt habe. Es sei unerheblich, dass er in seinem Buch die männliche Form "Prostituierter" anführe.
Zugleich teilte Lombardi mit, dass es sich in der italienischen Ausgabe des Buches, in der die weibliche Form "Prostituierte" verwendet werde, um einen Übersetzungsfehler aus dem Deutschen handle.
Seewald äußerte sich bei der Presse-Präsentation erstaunt darüber, dass das Interviewbuch auf die Frage nach der Zulässigkeit von Kondomen reduziert werde. Das Buch habe viele Facetten, es sei auch ein Aufruf des Papstes zu einem schonenden Umgang mit der Schöpfung angesichts der enormen ökologischen Herausforderungen, sagte Seewald. Dieser Aspekt verdiene mehr Beachtung, auch wenn die Kondom-Frage wichtig sei.
Der deutsche Journalist hob zudem hervor, dass es keinerlei "Zensur" gegeben habe. Er habe seine Fragen an den Papst nicht vorher genehmigen lassen, sondern nur ein Konzept für die insgesamt sechsstündigen Gespräche einreichen müssen, berichtete Seewald.