"Kardinal König war immer überzeugter Europäer"
Wien, 10.10.06 (KAP) Die Rolle Kardinal Franz Königs bei der Integration Ostmitteleuropas in die Europäische Union wurde am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion im Wiener "Haus der Industrie" gewürdigt. Annemarie Fenzl, die langjährige Leiterin des Sekretariats des 2004 verstorbenen Kardinals, wies auf die feste Überzeugung Königs hin, dass Ostmitteleuropa viel für das Zusammenwachsen Europas beizutragen habe, etwa im kulturellen und geistigen Bereich. Kardinal König habe das gesamte 20. Jahrhundert miterlebt, die Monarchie, zwei Weltkriege sowie Jahre der Unfreiheit im Osten und sei dabei immer ein "überzeugter Europäer" geblieben, betonte Fenzl. Der damalige Wiener Erzbischof habe, wo immer er konnte, wort- und tatkräftig geholfen, um den Kontakt zwischen Ost und West aufrecht zu erhalten.
In einem vom ORF produzierten Film über das Zusammenwachsen Europas wurde die Bedeutung von Kardinal Franz König und der von ihm begründeten Stiftung "Pro Oriente" während der Zeit des Eisernen Vorhangs hervorgehoben. Die scheidende ORF-Generaldirektorin Monika Lindner wies im Anschluss an die Filmpräsentation auf die Themenführerschaft des ORF während des Kommunismus hin. Sie erinnerte u.a. an die "Stadtgespräche" zwischen Wien und ostmitteleuropäischen Metropolen, die vom damaligen TV-Direktor und nachmaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk geleitet wurden sowie an das dichte Korrespondentennetz in den heutigen Reformstaaten.
"Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer zeigte sich in seinem Statement davon überzeugt, dass Europa inzwischen begriffen habe, "dass es trotz Säkularisierung nicht ganz ohne Religion geht". Er verwies auf die Rolle von Johannes Paul II. bei der Überwindung des Kommunismus, aber auch auf den ständigen Dialog zwischen der EU-Kommission und den Religionsgemeinschaften trotz nicht vorhandenem Verfassungsauftrag.
Der Publizist plädierte für eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Orthodoxie. Schon Johannes Paul II. habe gesagt, dass Europa mit zwei Lungenflügeln atmen müsse: dem westlichen und dem östlichen. Vor seinem Türkeibesuch habe auch Benedikt XVI. betont, dass eine Integration Europas ohne die Einbeziehung der Orthodoxie nicht funktionieren könne.
Nußbaumer unterstrich, dass Judentum und Islam wesentliche Bestandteile der Realität Europas seien: "Angst, Unwissen und Vorurteile sind schlechte Ratgeber für das künftige Zusammenleben der Religionen". Angst sei ein Zeichen für Schwäche.
Staatssekretär Franz Morak erinnerte bei der Podiumsdiskussion an den steirischen Kulturpolitiker Hanns Koren. Koren hatte u.a. den "steirischen herbst" ins Leben gerufen. Zu seinen Verdiensten zählte auch ein intensiver Austausch mit Künstlern aus den vor 1989 kommunistisch beherrschten Ländern.
OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer und der frühere Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Herbert Krejci, unterstrichen bei der Veranstaltung die Wichtigkeit Ostmitteleuropas für die österreichische Wirtschaft. Die Veranstaltung im "Haus der Industrie" stand unter dem Motto "Vorboten der EU-Erweiterung - Gestalter der Zukunft Europas".