Bioethiker: "Brauchen ganzheitliche Form der Medizin"
Wien, 10.10.06 (KAP) Für eine neue, ganzheitliche Form der Medizin und Gesundheitserziehung plädierte der Bioethiker Matthias Beck am Montagabend bei einer Veranstaltung der "Aktion Leben" in Wien. Er warnte vor einer Engführung auf Gen- und Stammzellenforschung. Viel zu wenig Augenmerk werde demgegenüber auf die Selbstheilkräfte des Menschen gelegt. "Es wäre höchst an der Zeit, Menschen anzuleiten, auf den 'Heiligen Geist' im eigenen Körper zu hören", sagte der am Wiener Institut für Ethik und Recht in der Medizin lehrende Wissenschaftler in seinem Vortrag "Wieviel Forschung verträgt der Mensch?". Gesundheit habe eine psychologische und auch eine spirituelle Dimension: Wo immer es Menschen gelinge, inneren Frieden zu finden, wo sich Freude entwickle, wo es gelinge, den eigenen Lebensweg zu entdecken, seien die Menschen auch gesünder, betonte der Mediziner, Pharmazeut und Theologe.
Beck verwies in diesem Zusammenhang auf Spontanheilungen: Sie passierten immer wieder, wenn Menschen z.B. angesichts dramatischer Erkrankungen ihr Leben komplett neu ausrichten, sagte der Autor des Buches "Der Krebs und die Seele". Auch das Neue Testament berichte immer wieder von "wunderbaren" Krankenheilungen. Nur genetische Ursachen von Krankheiten im Blick zu haben, greife viel zu kurz. Es sei bekannt, dass das Immunsystem schwächer werde, wenn der Mensch ständig unglücklich ist. Nicht das kranke Gen mache krank, sondern viel mehr der Lebensstil und zwischenmenschliche Beziehungen, die das "An- und Abschalten", die Regulation der Gene direkt beeinflussen, so Beck. Die "Information" stecke nicht unmittelbar in den Genen, sondern es gebe ein komplexes Verschaltungsgefüge, ein "dialogisches Geschehen". Laut dem Bioethiker wird zunehmend deutlich, wie aktuell die alte Lehre von der Einheit von Leib und Seele ist. Beck: "Das Innere beeinflusst, formt die Materie, theologisch spricht man von der Leib-Seele-Einheit".
Die Frage "Was ist der Mensch" sei heute wieder aktueller denn je. Beck schilderte erschreckende Szenarien der modernen Forschung wie Mischformen zwischen Tier und Mensch, mit denen heute weltweit in den Labors bereits experimentiert werde. In England zum Beispiel wäre ein Forschungsprojekt eingereicht worden, bei dem menschliche Zellen in die Eizelle einer Kuh eingebracht werden. Das genetische Material des so entstandenen Embryos wäre zu 11,5 Prozent tierisch und zu 88,5 Prozent menschlich. In einem anderen Fall habe man jungen Schafen im Mutterleib menschliche Zellen implantiert. Das Ergebnis dieser Experimente seien Hybriden, also Wesen, die genetisches Material verschiedener Spezies beinhalten.
Statt der einseitigen Fokussierung auf Stammzellenforschung sollte mehr erforscht werden, welche tiefer liegenden Ursachen Krankheiten bedingen, plädierte Beck. Entsprechende Forschungsaufträge wären dringend zu vergeben. In der Bildungsarbeit müsse fächerübergreifend an einer ganzheitlichen Gesundheitserziehung gearbeitet werden; wichtig ist es laut Beck auch, über den Lebensbeginn zu informieren: Kinder müssten wissen, wie eine Schwangerschaft zustande kommt oder wie Embryonen mit drei Monaten aussehen. Es brauche weiters eine Europäische Verfassung mit ausdrücklichem Schutz der menschlichen Würde. Beck lobte im Kontext all dieser Maßnahmen auch die präventive Bewusstseinsarbeit der "Aktion Leben".