Beinert: Papst ist "Kristallisationspunkt der Hoffnung"
St. Pölten, 16.10.06 (KAP) Trotz zwiespältiger Einschätzung des bisherigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI. in den deutschen Medien bleibe der Papst weiterhin ein "Kristallisationspunkt der Hoffnung". Dies betonte der emeritierte Regensburger Dogmatiker und Ratzinger-Schüler Prof. Wolfgang Beinert beim "Tag der Orientierung" des "forum XXIII" im Stift Melk am Wochenende.
Beinert beschrieb die in den deutschen Medien zum Ausdruck kommende zwiespältige Einschätzung des bisherigen Pontifikats Benedikts XVI. So gebe es auf der einen Seite ein großes Interesse an der Person des Papstes "bis in das kleinste Dorf" hinein; auf der anderen Seite jedoch werde eine "monokausale Sicht" kritisiert, in der der Papst zwar aktuelle Problemstellungen registriere und benenne, ihnen jedoch keine Reformvorschläge entgegensetzen könne.
Diese zwiespältige Einschätzung schlage sich derzeit auch statistisch nieder, so Beinert mit Verweis auf jüngste Erhebungen in Deutschland. Demnach glaubten in Deutschland nur mehr 66 Prozent der Bevölkerung an Gott. Auch sei eine "Vergreisung des Christentums" sowie ein "Vertrauensverlust" im Hinblick auf die Institution Kirche festzustellen.
Diese Entwicklungen seien jedoch nicht neu, betonte der Theologe. Bei einer Analyse gelte es jedoch, die kirchlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit den Herausforderungen der "großen Fragen der Menschheitsgeschichte" zu sehen, die heute zu lösen sind. In dieser Situation erscheine der Papst als "Kristallisationspunkt der Hoffnung". Entscheidend sei die Frage, ob es Papst Benedikt XVI. als "Übergangspapst" gelingen werde, "die Weichen zu stellen", betonte Beinert. Derzeit ließen sich "Züge eines eigenständigen und weiterführenden Weges" erkennen, diese seien jedoch stets zurückgebunden an die Tradition.
Beinert beschrieb den Papst als eine von "bayrischer Frömmigkeit und großer Offenheit" geprägte Persönlichkeit. Seinen damaligen Lehrer Ratzinger habe er in dessen Zeit als Universitätsprofessor als durchaus "kritisch und antizentralistisch" kennen gelernt, ihn ausschließlich als "konservativ" zu bezeichnen, sei daher "ungenau und klischeehaft". So zeige sich Ratzinger als Papst "stets offen für Argumentationen, redlich in seiner Theologie und mit großer Flexibilität".