Kirchen gedenken der Ungarn-Revolution
Wien-Eisenstadt, 16.10.06 (KAP) Das Ringen Ungarns um die Freiheit im Jahre 1956 und die Flucht von 200.000 Ungarn nach Österreich vor 50 Jahren steht im Mittelpunkt einer Gedenkveranstaltung mit den Staatsoberhäuptern beider Länder am Dienstag, 17. Oktober, um 18 Uhr im Wiener "Austria Center". Redner sind bei der Veranstaltung - die unter dem Motto "Wir danken Österreich" steht - neben den Präsidenten Heinz Fischer und Laszlo Solyom auch der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari und Erzabt Bischof Asztrik Varszegi aus Pannonhalma. Musikalisch wird der Abend von der ungarischen Nationalphilharmonie und dem Ungarischen Nationalvolksensemble gestaltet. In Wien, Mariazell und in Andau an der ungarischen Grenze wird in den nächsten Tagen bei weiteren Veranstaltungen der ungarischen Revolution gedacht.
Es war der 23. Oktober 1956, als in Budapest Tausende Studenten aus Solidarität mit den polnischen Arbeitern demonstrierten. Die geschwächte Führung der Kommunistischen Partei konnte die Kundgebung nicht mehr verhindern. Die Studenten verlangten in einer 16-Punkte-Erklärung die Rückkehr des Reformkommunisten Imre Nagy an die Macht, aber auch Demokratie und den Abzug der sowjetischen Truppen. Die Demonstranten stürzten das monumentale Budapester Stalindenkmal, vor dem Funkhaus kam es zu ersten blutigen Kämpfen mit vielen Toten. Am 4. November rückten die Sowjetpanzer in Budapest ein, gegen die die Aufständischen chancenlos waren. Nach ein paar Wochen war auch der zivile Widerstand der Arbeiterräte gebrochen.
Am Vorabend des 50. Jahrestags des Aufstands-Beginns, am 22. Oktober, feiert Kardinal Christoph Schönborn um 16 Uhr mit der ungarischsprachigen Gemeinde in Wien in der Jesuitenkirche am Ignaz-Seipel-Platz einen Gedenkgottesdienst. Konzelebranten sind der Geistliche Assistent des Akademikerverbands, Msgr. Helmut Schüller, Caritasdirektor Michael Landau sowie die aus Ungarn stammenden Priester der Erzdiözese Wien. Im Anschluss an die Messe wird der Kardinal mit den Jugendlichen der ungarischsprachigen Gemeinde zusammentreffen.
Ein ökumenisches Gebet steht am 4. November in der katholischen Pfarrkirche von Andau im Seewinkel auf dem Programm. Der Wiener Weihbischof Franz Scharl, der evangelisch-lutherische Bischof Janos Ittzes und der Bischof der Reformierten Kirche Rumäniens, Laszlo Tökes, werden einem ökumenischen Gedenkgottesdienst vorstehen. Auch bei der legendären, über den Einserkanal führenden Brücke von Andau an der österreichisch-ungarischen Grenze ist im Rahmen dieser Veranstaltung eine kurze Feier geplant. Bis zu 35.000 ungarische Flüchtlinge konnten sich über diese Brücke nach Österreich retten, bevor sie am 21. November 1956 von ungarischen Soldaten gesprengt wurde. Zum Gedächtnis wurde 40 Jahre später die Neue Brücke von Andau in Zusammenarbeit ungarischer und österreichischer Soldaten errichtet und am 14. September 1996 feierlich eröffnet.
Am 25. November schließlich findet im Wiener Stephansdom ein Dankkonzert mit den Pannonischen Philharmonikern (Pecs) unter Zsolt Hamar, dem Nationalchor Budapest und Solisten der Ungarischen Staatsoper für alle Helfer von 1956 statt. Auf dem Programm steht u.a. das Te Deum von Zoltan Kodaly, das erstmals im Stephansdom aufgeführt worden war.
Der Stephansdom hat für Ungarn eine besondere Bedeutung. Hier werden ungarische Reliquien aufbewahrt, hier feiern in Wien lebende Ungarn seit Jahrhunderten den größten ungarischen Feiertag, den Tag des Heiligen Königs Stefan.
Der Stephansdom war auch eine beliebte Begegnungsstätte für Flüchtlinge von 1956. Hier wurde am 26. Juni 1958 der hingerichtete Ministerpräsident Imre Nagy beim Konzert der "Philharmonia Hungarica" mit Mozarts Requiem - vermutlich das erste Mal öffentlich - betrauert. Nagy war am 16. Juni 1958 im Gefängnis von Budapest ermordet worden.