"Auf Bibel in Hotels nicht verzichten"
Wien-Bregenz, 18.10.06 (KAP) "Auf die Bibel in Hotelzimmern sollte nicht verzichtet werden", forderte am Donnerstag der Tourismusseelsorger der Erzdiözese Wien, Pfarrer Joseph Farrugia, zur neuen Debatte um religiöse Symbole im Tourismus. Farrugia sieht keinen Widerspruch zur religiösen Toleranz, wenn in Hotelzimmern - so wie viele andere "Angebote" auch - im Nachtkästchen die Bibel liegt. Es sei ja kein Gast gezwungen, sie herauszunehmen und darin zu lesen. Kruzifixe an den Wänden sind Farrugia in Hotelzimmern dagegen nicht so wichtig. Im multireligiösen Andachtsraum der Tourismusseelsorge auf dem Flughafen Wien-Schwechat habe man bewusst auf religiöse Symbole verzichtet, um nicht Angehörige einer Religion zu bevorzugen.
Ausgelöst hatte die Debatte ein Rundschreiben des Montafoner Tourismusdirektors Manuel Bitschnau, in dem 300 Vermieter von Ferienwohnungen und Hoteliers ersucht wurden, religiöse Symbole in den Zimmern zu vermeiden, da "nicht einmal die Hälfte unserer Gäste katholisch" sei. Bitschnau hat sich mittlerweile entschuldigt, er habe niemandes religiöse Gefühle verletzen wollen.
"Vermeiden Sie in den Wohnungen möglichst religiöse Symbole (ausgenommen wertvolle Gemälde oder Kunstwerke). Nicht einmal die Hälfte unserer Gäste ist katholisch. Es gibt eine Vielzahl von Religionen. Religion ist etwas sehr Persönliches. Ein Kreuz oder ein Heiligenbild befremdet womöglich einen Gast, obwohl es für uns selbstverständlich ist", hatte es in Bitschnaus umstrittenem Rundschreiben geheißen. Das E-Mail (in dem auch andere "Qualitätsempfehlungen" enthalten waren), sei leider falsch angekommen, so Bitschnau im Gespräch mit Radio Vorarlberg: "Dieser Passus wurde von mir falsch formuliert".
Es sei absolut nicht gemeint gewesen, dass religiöse Symbole aus den Wohnungen verschwinden sollten, so Bitschnau. Vorarlberg sei ein christliches Land, das würden auch die Gäste schätzen. Man dürfe Religion nicht verleugnen. Er habe gemeint, man dürfe es nicht übertreiben. Er kenne zwei Beispiele von Ferienwohnungen, wo man es mit den religiösen Symbolen "übertrieben" habe.
Er habe nicht sehr viel Freude mit Bitschnaus Aktion gehabt, so Vorarlbergs Tourismusdirektor Christian Schützinger. Damit arbeite man ein wenig gegen die eigene Identität, das sei nicht sehr sinnvoll. Schützinger glaubt, dass Besucher, auch wenn sie einer anderen Religion angehören, zu respektieren wissen, in welchen Kulturkreis sie gereist sind.
Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber sprach von einer "groben Fehlleistung". Das einzig Positive daran sei, dass sich Bitschnau entschuldigt habe.