Kirchen müssen liturgische Symbole verstärkt erklären
Wien, 23.10.06 (KAP) "Kult und Kultur" war das zentrale Thema eines Ökumenischen Fachtags des Vikariats Wien-Stadt, an dem Vertreter der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche teilgenommen haben. Der Grazer katholische Liturgiewissenschaftler Prof. Basilius J. Groen stellte einen gegenwärtigen Bedeutungsverlust der traditionellen Kirchen fest, wies zugleich aber darauf hin, dass Zahlen zu hinterfragen seien. So gäbe es trotz Rückgangs der Kirchenbesucher "eine enorme Gottesdienstgemeinde vor den TV-Geräten". Weiters würden sich auch immer mehr Menschen freiwillig in den Pfarren engagieren. Auch Rituale seien weiterhin wichtig, wie Begräbnisse oder Hochzeiten zeigen. Groen forderte bei allen Konfessionen eine verstärkte Bildungsarbeit, da etwa viele liturgische Symbole nicht mehr verstanden würden.
Als Beispiel "gelungener Inkulturation" nannte Groen den Eröffnungsgottesdienst in der Wiener "Jugendkirche" im vergangenen Jahr. So konnten dort von den Gottesdienstbesuchern SMS-Botschaften auf eine Großleinwand in der Kirche geschickt werden. Auch Kardinal Christoph Schönborn habe dabei mitgemacht.
Oberin Christine Gleixner, langjährige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), berichtete, dass in einigen Bezirken Wiens ein "intensiver Kommunikationsaustausch zwischen den Konfessionen" in Gang gekommen sei. Ein wichtiger Impuls dafür sei die "Lange Nacht der Kirchen" gewesen, die im vergangenen Juni bereits zum zweiten Mal stattfand.
Der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm hob ebenfalls die ökumenische Zusammenarbeit bei der "Langen Nacht der Kirchen" sowie die Einladung von Kardinal Schönborn an die evangelische Kirche zur Stadtmission in Wien im Jahr 2003 hervor. Wie Sturm weiter sagte, würden viele evangelische Christen das Wallfahrten neu "entdecken". Die alten Bibelschmuggelwege, die Protestanten nutzten, um ihre Übersetzungen der Heiligen Schrift heimlich zu transportieren, sollten ökumenisch aufgearbeitet werden, so Sturm.
Der Bischof, der auch Vorsitzender des "Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich" (ÖRKÖ) ist, nahm ein Anliegen der letzten Ökumenischen Vollversammlung im brasilianischen Porto Alegre auf, das eine Vereinheitlichung des christlichen Festkalenders vorsieht. Sturm zeigte sich erfreut darüber, dass im kommenden Jahr das evangelische, katholische und orthodoxe Osterfest zusammenfallen. Als weitere Anliegen von Porto Alegre nannte der ÖRKÖ-Vorsitzende die gegenseitige Anerkennung der Taufe aller christlicher Konfessionen und die gesamtchristliche Abendmahlfeier.
Der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura wies in seinem Referat darauf hin, dass die Orthodoxie die ursprüngliche Liturgie der alten Kirche bewahrt habe. Trotzdem gelinge es, auch den nachkommenden Generationen einen Zugang zu dieser Liturgie zu vermitteln.