Bischöfe fordern mehr Entwicklungshilfe
Aktuelle Krisen wie die Wirtschaftskrise, der Klimawandel oder der Hunger in weiten Teilen der Welt "treffen Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart"
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Wien, 19.04.2011 (KAP) Aktuelle Krisen wie die Wirtschaftskrise, der Klimawandel oder der Hunger in weiten Teilen der Welt "treffen Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart" - die österreichische Regierung spart jedoch besonders im Bereich der Entwicklungshilfe. Darauf hat der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklungszusammenarbeit zuständig ist, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien hingewiesen. Gemeinsam mit dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker und Petra Navarra, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft "Globale Verantwortung", forderte Schwarz, dass die derzeit "beschämende" staatliche Entwicklungshilfe aufgewertet statt weiter beschnitten wird.
Anlass der Pressekonferenz mit dem Titel "Keine frohen Ostern für die Österreichische Entwicklungshilfe?" waren die anstehenden Weichenstellungen für die Staatsausgaben: Die Bundesregierung wird voraussichtlich im ersten Ministerrat nach Ostern das Budget 2012 sowie den Finanzrahmen für die nächsten Jahre beschließen. Laut informellen Informationen ist keine Rücknahme der jüngsten Kürzungen der Entwicklungshilfe-Mittel zu erwarten, so die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO). Vielmehr seien weitere Einschnitte zu befürchten.
Der Linzer Bischof wies darauf hin, dass derzeit mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern müssten. Alle drei Sekunden sterbe ein Kind an Mangel an Ernährung und medizinischer Versorgung. Entwicklungszusammenarbeit müsste hier viel stärker entgegenwirken, forderte Schwarz. Stattdessen gehe der Anteil jener Mittel, die den Hunger bekämpfen, seit Jahren zurück: Flossen 1990 noch 17 Prozent der staatlichen Gesamthilfe in die Agrar-, Forst- und Fischereiwirtschaft, so waren es 2008 nur noch 5 Prozent. Dieser Anteil solle mindestens 10 Prozent betragen, verwies Schwarz auf das Maputo-Abkommen der afrikanischen Länder von 2003. Zugleich gelte es aber auch die Probleme der "verzerrenden Agrarsubventionen" anzugehen, die die afrikanische Landwirtschaft gefährden.
Bischof Schwarz appellierte direkt an Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger, hier den Kurs zu ändern: "Friede und Sicherheit sind Chefsache. Wir ersuchen Sie nachdrücklich, dafür Sorge zu tragen, dass Entwicklungspolitik als Instrument zur Wahrung von Friede und Sicherheit aufgewertet und entsprechend dotiert wird."
Die Kirchen seien überzeugt, dass es einen Schulterschluss aller Kräfte braucht, um die Entwicklung in Afrika, Lateinamerika und Asien zu unterstützen. Schwarz kündigte eine "Österreich-Partnerschaft für Frieden durch Entwicklung" an, die auf die Bundesregierung einwirken und Wirtschaftstreibende ebenso einbinden soll wie Arbeitnehmervertreter und die österreichischen Medien zur Mobilisierung der österreichischen Bevölkerung nutzen will. An Vizekanzler Spindelegger, der als Außenminister schon bisher für Entwicklungsagenden verantwortlich war, richtete Schwarz den Appell, den "Stillstand" beim Thema EZA sofort zu beenden.
Linktipps:
» Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission
» UN-Welternährungsorganisation FAO
» Caritas
» UN-Millenniumsziele (englisch)
» CIDSE