Kirchen erinnern an Folgen von Tschernobyl
Wiens Caritasdirektor Landau veröffentlichteeinen Aufruf zur Unterstützung eines Projekts für Menschen, die an den Folgen des Unglücks leiden. Katastrophe ereignete sich am 26. April 1986
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Der havarierte Reaktor mit "Sarkophag" |
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Wien-Kiew, 25.04.2011 (KAP) In aller Welt haben am Montag Gedenkaktionen zum 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl begonnen. Das Gedenken hat besonders eindringlichen Charakter, weil es im Bann des nach wie vor nicht unter Kontrolle gebrachten GAU im japanischen AKW Fukushima steht. Das Unglück auf der Insel Honshu hatte sich am 11. März ereignet.
Die zentrale Tschernobyl-Gedenkfeier in der Ukraine wird vom russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. geleitet. Er reiste am Montag von Moskau nach Kiew.
Am Dienstag, 1.23 Uhr, beginnt im Kiewer östlichen Außenbezirk Darnytsia ein orthodoxer Gedenkgottesdienst mit Kyrill I., bei dem die Tschernobyl-Glocke geläutet wird; das Unglück hatte sich am 26. April 1986 um 1.23 Uhr ereignet. Nach Angaben des Moskauer Patriarchats wird deshalb am Dienstag in allen russisch-orthodoxen Kirchen der Opfer der Katastrophe gedacht.
Landau: "Folgen kaum in Worte zu fassen"
Die Wiener Gedenkkundgebung auf dem Stephansplatz beginnt am Montag um 18 Uhr; auch die Caritas ist eine der Mitträgerinnen.
Wiens Caritasdirektor Michael Landau veröffentlichte vorab einen Aufruf zur Unterstützung eines Projekts für Menschen, die an den Folgen des Unglücks leiden.
"Die Folgen der Katastrophe in Tschernobyl sind kaum in Worte zu fassen. Das Leid, der Schmerz und die gesundheitlichen Schäden der Menschen sind die wahre Katastrophe nach der Katastrophe und werden uns noch Jahrzehnte beschäftigen", so Landau. Zehntausende Helfer seien an den Folgen des Einsatzes gestorben oder litten bis heute an Verbrennungen, Geschwüren oder Krebs.
"Mehr als 300.000 Menschen wurden nach dem Unglück in der Ukraine und in Weißrussland umgesiedelt. Noch immer leben über sechs Millionen Menschen in deutlich radioaktiv belasteten Gebieten. Die ukrainische Kommission zum Schutz vor Strahlenschäden spricht von einem Anstieg der Kindersterblichkeit um 20 bis 30 Prozent. Besonders stark ist die Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in den verstrahlten Gebieten. Laut einer WHO-Studie sind 6.000 Kinder betroffen", erinnerte der Caritas-Chef.
Die österreichische Caritasmitarbeiterin Gudrun Gusel, die vor kurzem in der Ukraine war, bezeichnete die Situation der vielen sterbenskranken Erwachsenen und Kinder als dramatisch: "Die Hospizarbeit in der Ukraine steckt noch in den Kinderschuhen. Es mangelt derzeit an fast allem: finanzielle Mittel sind kaum vorhanden, Pflegebehelfe fehlen oft, Medikamente sind Mangelware oder nicht leistbar, und es gibt viel zu wenig Personal. Dennoch versuchen unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort mit viel Einsatz, Herz und Engagement ihr Möglichstes, um den schwerstkranken Menschen einen Lebensabend in Würde zu ermöglichen", so Gusel.
Um die Not und das Elend der Menschen etwas lindern zu können, baue die Caritas die Hospizarbeit in der Ukraine massiv aus, so Landau und Gusel: "Aktuell entstehen in zwei Städten der Ukraine mobile Hospize für vorwiegend ältere und krebskranke Menschen. Insgesamt werden 1.500 Menschen im Rahmen des von der EU geförderten Projekts in ihrer letzten Lebensphase mit palliativmedizinischer Pflege betreut, sozialarbeiterisch und auch seelsorgerisch begleitet."
Seit 1994 ist die Caritas der Erzdiözese Wien in der Ukraine tätig. Insgesamt wurden in der Ukraine Projekte im Wert von über 17 Millionen Euro unterstützt. Schwerpunkte sind Projekte für Kinder in Not, Hauskrankenpflegeprojekte und Familienhilfsprojekte für Familien mit Kindern mit Behinderungen.
Caritas-Spendenkonto:
» RBI 404.050.050, BLZ 31.000, Kennwort "Tschernobyl".