Judaist Prof. Allerhand gestorben
Wien, 3.11.06 (KAP) Der Wiener Judaist Prof. Jacob Allerhand ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Allerhand - eng befreundet mit den Kardinälen Franz König und Christoph Schönborn - war von jüdischer Seite ein bahnbrechender Verfechter des Dialogs zwischen Juden und Christen.
Eine Wurzel der Schwierigkeiten in diesem Dialog sah er in der Tatsache, dass das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen ist und dass man neben dem verbreiteten "gegenseitigen Unwissen" auch von einer "vernachlässigten Liebe gegenüber der Mutter" sprechen könne. Zudem hätten die leidvollen Erfahrungen der Juden mit den Christen, insbesondere aber der Holocaust im 20. Jahrhundert, dazu geführt, dass für das Judentum weniger der Dialog mit den Christen als vielmehr der Dialog mit Gott im Vordergrund stehe, wie so etwas möglich sein konnte.
Jakob Allerhand - 1930 in der Ukraine geboren - begann schon mit fünf Jahren die Thora zu lesen. Durch die Zeitumstände wurde er nach Sibirien und Usbekistan verschlagen. Er selber entkam der Shoah, verlor aber seine Familie. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er zu einem Onkel nach Berlin. Er studierte in Berlin, München und London. 1964 wurde er an die Universität nach Wien berufen.
Allerhand war ausgewiesener Orientalist mit dem Schwerpunkt Judaistik. Er beherrschte zehn Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Usbekisch, Türkisch, Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Hebräisch und Yiddisch. Seine subtile Kenntnis der hebräischen Sprache versetzte ihn in die Lage, entscheidende Beiträge zum Erhalt, zur Vertiefung, Verfeinerung und Verbreitung der hebräischen Sprache zu leisten. Allerhand arbeitete auch als Vorstandsmitglied und zuletzt als Vizepräsident im österreichischen "Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit" mit.