Großtagungen über heutige Formen des Atheismus
Wien-Salzburg, 14.11.06 (KAP) Zwei hochkarätig besetzte Tagungen finden diese Woche zum Thema Atheismus statt: Die 7. Internationale Europakonferenz von 16. bis 18. November im Stift Heiligenkreuz bei Wien ist dem Thema "Atheismen und Säkularisierung" gewidmet. "Die neuen Atheismen. Eine notwendige Konfrontation in einer religiös veränderten Zeit" lautet der Titel einer Tagung am 17. November im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil. Bei beiden Veranstaltungen werden international anerkannte Fachleute die Standorte der Religion in der Moderne analysieren und Handlungsmöglichkeiten der Kirchen aufzeigen.
"Wie religiös sind noch die Bürgergesellschaften Europas?" lautet die Leitfrage der dreitägigen Konferenz im Stift Heiligenkreuz. Am Donnerstag, dem Eröffnungstag, werden Referenten wie Botschafter Emil Brix, Gabriel N. Toggenburg von der Europäischen Akademie in Bozen und der Bayreuther Soziologe Georg Kamphausen das Wertefundament der europäischen Politik beleuchten. Den Festvortrag um 19 Uhr zum Tagesthema "Worauf beruft sich die Politik?" hält der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng; er analysiert dabei Chancen und Gefahren der gegenwärtigen Politik in Europa.
Die religiöse Situation in verschiedenen europäischen Ländern steht im Mittelpunkt des zweiten Tages: Am 17. November sprechen u.a. der Wiener evangelische Theologe Ulrich Körtner ("Wiederkehr der Religion?") sowie Experten aus Slowenien, Bulgarien, Polen und weiteren osteuropäischen Reformländern. "'In Vielfalt geeint!' - Das Ende des christlichen Kontinents" lautet das Referatsthema des Leiters der ÖVP-Delegation im Europäischen Parlament, Othmar Karas. Den Freitags-Festvortrag um 19 Uhr hält der rumänisch-orthodoxe Weihbischof von Brasov (Kronstadt/Rumänien) zur Frage "Gesellschaftlich in der Religion oder religiös in der Gesellschaft leben?"
Der Samstag stellt "Religion als Medium von Wissenschaft, Kultur, Interaktivität und Kommunikation" dar. Es sprechen u.a. der deutsche Philosoph Siegfried Wollgast über das Verhältnis von marxistischem Materialismus und Christentum, der Salzburger SozialwissenschaftlerMichael Fischer über "Kunst als Religion", der Wiener Islamwissenschaftler Mouhannad Khorchide über "Islam und europäische Identität" sowie der Trierer Professor für christliche Sozialwissenschaften, Wolfgang Ockenfels, über "Religion - Gewalt - Dialog". Die Tagung endet mit der Verabschiedung einer Schlusserklärung zum Tagungsthema. Veranstalter sind neben dem Stift Heiligenkreuz die Europäische Akademie für Lebensforschung, Integration und Zivilgesellschaft, das Wiener Bundeskanzleramt und die Münchner Hans-Seidel-Stiftung.
"Kritische Bestandsaufnahme" der Theologie
"Religionsproduktive" Entwürfe stehen heute neben neuen religionskritischen Entwürfen: Diese Beobachtung ist der Ausgangspunkt der Tagung am 17. November im kirchlichen Bildungszentrum St. Virgil, die der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser um 10 Uhr eröffnet. Michel Onfrays Buch "Wir brauchen keinen Gott. Warum muss man jetzt Atheist sein?" habe es nicht nur in Frankreich auf die Bestsellerlisten geschafft; ähnlichen Erfolg verbuchen aber auch verschiedene Titel von Papst Benedikt XVI., heißt es in der Ausschreibung. Vor diesem Hintergrund sei es aus philosophischer wie theologischer Sicht eine "kritische Bestandsaufnahme" erforderlich: "Der religionskritische, mithin dezidiert atheistische Einspruch verlangt gerade der Theologie eine Standortbestimmung ab."
Referenten sind der Münchner Religionsphilosoph Eugen Biser, der Düsseldorfer Philosoph Bernward Gesang, dessen Buch über die Theodizee-Frage "Angeklagt: Gott" der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor-Maria Hoff zum Ausgangspunkt eigener Überlegungen nimmt, der Chemnitzer Privatdozent Burkhard Müller, dessen Buch "Schlussstrich. Kritik des Christentums" der Salzburger Dogmatiker Hans-Joachim Sander diskutiert. Mitveranstalter sind das Kardinal-König-Institut der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, der Fachbereich Systematische Theologie der Universität Salzburg sowie die Eugen-Biser-Stiftung.
