Papst Benedikt XVI. besucht Kroatien
Zum Auftakt beschwor der Papst das gemeinsame menschliche und christliche Erbe Europas und setzte sich für den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union ein
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Zagreb, 04.06.2011 (KAP) Zum Auftakt seines zweitägigen Kroatien-Besuchs hat Papst Benedikt XVI. das gemeinsame menschliche und christliche Erbe Europas beschworen. 20 Jahre nach Erreichen seiner staatlichen Unabhängigkeit und am Vorabend der vollen Aufnahme in die EU müsse Kroatien seine geistigen und moralischen Werte neu festigen und beleben, sagte er am Samstag bei seiner Ankunft in der Hauptstadt Zagreb. Auf dem Flughafen wurde der Papst von Präsident Ivo Josipovic und den Bischöfen des Landes unter Leitung des Zagreber Kardinals Josip Bozanic begrüßt.
Schon auf dem Flug von Rom nach Zagreb hatte der Papst bekräftigt, ein EU-Beitritt Kroatiens sei "logisch, richtig und notwendig". Kroatien habe kulturell seit jeher zu Mitteleuropa gehört und sei ein "zutiefst europäisches Volk", sagte er vor den mitreisenden Journalisten. Durch den EU-Beitritt komme es dahin, wo es historisch und kulturell schon immer war.
Zugleich äußerte der Papst bei der "fliegenden Pressekonferenz" Verständnis für eine gewisse Skepsis in Kroatien gegenüber einem EU-Beitritt. Wenn ein kleines Land wie Kroatien in die Europäische Union eintrete, sei es verständlich, dass es unter Umständen Angst vor einem "zentralistischen Bürokratismus" und einer "rationalistischen Kultur" gebe, die der Geschichte des Landes nicht hinreichend Rechnung trage, sagte der Papst.
EU mehr als gemeinsamer Markt
Benedikt XVI. hob hervor, dass der Beitritt ein gegenseitiger Prozess des Gebens und Nehmens sei, und dass Kroatien die EU durch sein reiches kulturelles und religiöses Erbe bereichern könne. Er wandte sich gegen eine Verkürzung der EU auf einen gemeinsamen Wirtschaftsmarkt. Es sei die Mission Kroatiens, zu einer Erneuerung der kulturellen Vielfalt Europas, die in der christlichen Tradition verbunden sei, beizutragen.
Bei seiner Ankunft in Zagreb-Pleso würdigte Benedikt XVI. die christliche Tradition der Kroaten und ihre 1.300-jährige Verbundenheit mit dem Heiligen Stuhl. "Von Anfang an gehört Ihre Nation zu Europa und leistet ihm in besonderer Weise einen Beitrag an geistigen und moralischen Werte", so der Papst. Das Christentum habe jahrhundertelang die persönliche und nationale Identität der Menschen geprägt. Diese treue Verbundenheit auch unter zuweilen schwierigen und schmerzlichen Umständen sei ein "deutliches Zeugnis für die Liebe Ihre Volkes zum Evangelium und zur Kirche". Die "geschätzte, in ihrer reichen Tradition starke Nation" solle dazu beitragen, dass die EU diesen "geistigen und kulturellen Schatz vollends zur Geltung bringt", wünschte Benedikt XVI.
Werte der Familie wieder vor Augen stellen
Schon in seiner Begrüßungsrede unterstrich der Papst auch die zentrale Bedeutung der Familie für das Leben der Gesellschaft. Der Erste Nationale Familientag, den er am Sonntag mit den kroatischen Katholiken feiern werde, solle "die Werte des Familienlebens und des Gemeinwohls wieder vor Augen stellen, die Einheit stärken, die Hoffnung neu beleben und zur Gemeinschaft mit Gott führen". Zugleich verwies der Papst auf die Herausforderungen der heutigen Kultur, zu der Individualismus, eine geringe Stabilität und Suche nach "Räumen des Privaten" gehörten. Weiter erinnerte er an das Vorbild des seligen Kardinals Alojzije Stepinac (1898-1960), der von den Kommunisten in einem Schauprozess zu langer Haft verurteilt wurde und in Hausarrest starb.
Nach der offiziellen Begrüßung am dem Flughafen stand ein Höflichkeitsbesuch am Amtssitz von Präsident Josipovic auf dem Programm. Erste Höhepunkte der 19. Auslandsreise von Benedikt XVI. sind am späten Nachmittag eine Rede vor Politikern, Diplomaten, Wirtschaftsvertretern und Religionsführern in Nationaltheater von Zagreb. Anschließend ist eine Gebetswache mit Jugendlichen vorgesehen.
Den seligen Kardinal Stepinac, dessen Grab er in der Kathedrale von Zagreb am Sonntagabend aufsuchen wird, würdigte der Papst bei seinem Flug vor Journalisten als großen Hirten und Christen, der einen "christlichen Humanismus" gegen zwei unmenschliche Diktaturen verteidigt habe. Insbesondere hob er das Eintreten des Kardinals zugunsten von Juden und Roma während des Ustascha-Regimes hervor.
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