Papst-Besuch in Kroatien endete mit Österreich-Bezug
Benedikt XVI. rief zum Abschied die Katholiken auf, mehr Verantwortung im nationalen Leben zu übernehmen. Mit Freude habe er festgestellt, wie lebendig weiterhin die christliche Tradition des Volkes sei
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Zagreb-Wien, 05.06.2011 (KAP) Der Papstbesuch in Kroatien endete am Sonntagabend wie er begonnen hat: mit einem dezenten Österreich-Bezug. Bestand dieser Bezug bei seiner Ankunft am Samstag in einem "Tiroler" Messbuch, das ihm als Gastgeschenk überreicht wurde, so bestand der Bezug am heutigen Abend in der Würdigung des Seligen Kardinals Alojzije Stepinac (1898-1960). Denn auch die Geschichte Stepinacs weist enge Bezüge zu Österreich auf - nicht zuletzt durch die Tatsache, dass Stepinac bereits während seines Studiums in Rom ein Freund und späterer "Handball-Kollege" des Wiener Erzbischofs Kardinal Franz König war.
Über seinen ersten Germanicum-Sommer in Rom berichtete Kardinal König kurz vor seinem Tod 2003 seiner Sekretärin Annemarie Fenzl: "Im Sommer fuhr ich nicht nach Hause, sondern blieb unten in Rom. Ich spielte in dieser Zeit sehr viel Handball mit dem späteren Erzbischof von Zagreb, Alojzij Stepinac, und machte Wanderungen, ich betrieb viel Sport."
Doch auch heute noch verbindet die Verehrung des 1998 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochenen Märtyrers Kroaten und Österreicher. So betonte der Leiter der Kroatischen Sektion der Diözese Eisenstadt, Bischofsvikar P. Stefan Vukits, am Sonntag gegenüber "Kathpress", dass Stepinac sowohl von den Wiener als auch von den burgenländischen Katholiken verehrt werde.
So weihte der Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanic am 2. September 2007 den Altar mit Stepinac-Reliquien in der Wiener Kirche Am Hof, dem Zentrum der Wiener kroatischen katholischen Gemeinde. Die Weihe war damals extra wegen des bevorstehenden Papstbesuchs vorgezogen worden; Benedikt XVI. betete gleich zu Beginn seines Papstbesuchs in Wien und Mariazell an dem Altar in der Kirche Am Hof.
P. Vukits wies darauf hin, dass auch im Altar der Kirche von Wulkaprodersdorf/Vulkaproderstof, der früheren Pfarre des jetzigen Eisenstädter Bischofs Ägidius Zsifkovics - er nahm ebenfalls am Papstbesuch in Zagreb teil - Reliquien des Seligen eingelassen sind.
Im Übrigen hatte auch Kardinal Christoph Schönborn bei einer gemeinsamen Tagung der österreichischen und der kroatischen Bischofskonferenz im Jahr 2007 Kardinal Stepinac gewürdigt und auf die enge historische und religiöse Verbindung von Österreich und Kroatien hingewiesen. Der Wiener Erzbischof erwähnte in diesem Zusammenhang damals auch die große kroatische Diaspora in Wien und anderen österreichischen Städten sowie die seit Jahrhunderten im Burgenland beheimatete kroatische Minderheit.
Abschiedszeremonie am Flughafen
Sein Gebet am Grab Stepinacs war es schließlich auch, was Papst Benedikt XVI. in seiner letzten Ansprache bei der Abschiedszeremonie am Flughafen von Zagreb am Sonntagabend als einen der Höhepunkte seines Kroatienbesuchs hervorhob. Im Gebet am Grab Stepinacs habe er aller gedacht, "die aufgrund ihres Glaubens an das Evangelium gelitten haben - und auch heute leiden".
Schließlich rief Benedikt XVI. in seinen Abschiedsworten die Katholiken des Landes auf, mehr Verantwortung im nationalen Leben zu übernehmen. Mit Freude habe er festgestellt, wie lebendig weiterhin die christliche Tradition des Volkes sei. "Mögen in dieser Zeit, in der feste und verlässliche Bezugspunkte zu fehlen scheinen, die Christen weiterhin gleichsam die Seele der Nation sein und ihr so helfen, sich zu entfalten und voranzuschreiten." Zugleich äußerte der Papst seine Hoffnung auf eine sachliche und nützliche Zusammenarbeit zwischen der Kirche und den öffentlichen Einrichtungen des Landes.