Zahl der Ehescheidungen ist deutlich gesunken
Laut Angaben der "Statistik Austria" wurden 2010 17.442 Ehen geschieden; das sind um 7,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Der Familienverband zeigt sich über die Entwicklung erfreut
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Wien, 16.06.2011 (KAP) Die Anzahl der Ehescheidungen ist in Österreich im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Laut Angaben der "Statistik Austria" wurden 2010 17.442 Ehen geschieden; das sind um 1.364 oder 7,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Von den Scheidungen der Eltern waren im Jahr 2010 exakt 13.657 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren betroffen. Knapp die Hälfte aller Scheidungen im Vorjahr erfolgte während der ersten zehn Ehejahre (48 Prozent).
Die Gesamtscheidungsrate - sie gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der jetzt geschlossene Ehen bei unverändertem Scheidungsverhalten durch eine Scheidung enden - sank auf 43 Prozent; nach einem Höchststand von 49,5 Prozent im Jahr 2007 ist dieser Wert damit jetzt so niedrig wie zuletzt im Jahr 2000 (43,1 Prozent). Grund dafür ist, dass es in der Gruppe jener Ehen, die vor weniger als fünf Jahren geschlossen worden sind, zuletzt deutlich weniger Scheidungen gab. Die mittlere Dauer der 2010 geschiedenen Ehen war mit 10,5 Jahren um rund vier Monate länger als im Jahr davor.
Kirchliche Familien-Experten warnen vor allem hinsichtlich der Berechnungen zur durchschnittlichen Ehedauer aber stets vor einem Missverständnis bei der Interpretation der "Statistik Austria"-Daten. Es handelt sich dabei nämlich nicht um einen Gesamtvergleich des Bestandes von aufrechten und geschiedenen Ehen. Vielmehr vergleicht beispielsweise die aktuell vorliegende staatliche Ehescheidungs-Statistik die Zahl der Scheidungen im Jahr 2010 mit der Anzahl der Eheschließungen in jenen Jahren, in denen diese geschiedenen Ehen geschlossen wurden. Für einen langfristigen Gesamtvergleich - der auch lange bestehende Ehen zur Gänze erfasst - sind die Angaben daher nur bedingt aussagekräftig.
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Trotz der hohen Scheidungsziffern liege die durchschnittliche Ehedauer in Österreich und Deutschland weiterhin zwischen 35 und 40 Jahren, betonte der Linzer Ehe-Experte Rolf Sauer am Donnerstag im "Kathpress"-Interview. Sauer bezog sich dabei auf Studien des deutschen Ehe- und Familienexperten Arnold Retzer.
"Heute dauern Ehen länger als vor 100 Jahren ein ganzes Leben", machte Sauer zudem auf die gestiegene Lebenserwartung der Menschen aufmerksam. Auch die Ehedauer geschiedener Ehen von heute sei ähnlich jener der gesamten Ehedauer von vor 100 Jahren, so der Leiter der Abteilung Ehe und Familie im Pastoralamt der Diözese Linz.
Familienverband: Erfreuliche Entwicklung
Als "erfreuliche Entwicklung" bezeichnete der Präsident des Katholischen Familienverbands, Clemens Steindl, den Rückgang bei der Anzahl der Scheidungen. "Ob es schon ein Trend ist kann man noch nicht feststellen", sagte Steindl auf "Kathpress"-Anfrage; die Entwicklung decke sich aber mit einer großen positiven Grundstimmung der Menschen gegenüber Ehe und Familie. Steindl verwies auf die letzte Wertestudie: "Daraus geht hervor, dass für mehr als 90 Prozent der Menschen, Familie und Ehe 'sehr wichtig' oder 'wichtig' sind." Politik und Gesellschaft müssten darauf hinwirken, dass dieser Sehnsuchtswert auch Wirklichkeit werde.
Dem Familienverband sei es ein "besonderes Anliegen, Paare darin zu unterstützen, dass Ehe oder Beziehung glückt", sagte Steindl. Er erinnerte an das vom Familienministerium geförderte Projekt "Wir trauen uns mit Recht" des Katholischen Familienverbands. Über Rechtsberatung und Scheidungsprävention sollen dabei Menschen bestmöglich auf eine Ehe vorbereitet bzw. in der Ehe begleitet werden.
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