Kath. Akademiker gegen Pauschalurteile über den Islam
Wien, 20.11.06 (KAP) Zu einem besseren gegenseitigen Kennenlernen von Christen und Muslimen hat der Katholische Akademikerverband Österreich (KAVÖ) aufgerufen. "Es ist falsch, den Islam mit den Verbrechen von Terroristen zu identifizieren", hieß es am Montag in Aussendung des Verbandes, der sich in seiner jüngsten Vorstandssitzung mit dem Dialog zwischen Christentum und Islam auseinander setzte. Zum Abbau von Vorurteilen und zur Vermeidung von Pauschalurteilen sei das vertiefte wechselseitige Studium der islamischen bzw. christlichen Tradition dringend notwendig. "Gemeinsame Aufgabe" sei jedenfalls die Wahrung des Glaubens an den einen Gott. Das Eintreten für Menschenrechte, Demokratie und Religionsfreiheit würde die Glaubwürdigkeit beider Religionen stärken, heißt es weiter in der Stellungnahme.
Der KAVÖ plädiert für verstärkte gegenseitige Kontakte und praktische politische und soziale Zusammenarbeit, etwa gemeinsame Aktionen gegen soziale Missstände oder Fremdenfeindlichkeit. "Entscheidend ist, was in der Lebenswelt der Menschen, im Bezirk und in der Gemeinde geschieht: Ohne gegenseitigen Respekt im alltäglichen Umgang kann es kein friedliches und freundliches Zusammenleben der Religionen geben", betonte der Akademikerverband.
Er erinnerte an die Konzilserklärung "Nostra aetate" zu den nichtchristlichen Religionen, die die Jahrhunderte währende feindliche Distanz der beiden Religionen grundsätzlich revidiert habe. Papst Johannes Paul II. habe dem auch praktische Geltung verliehen durch seine Kontakte mit Muslimen und insbesondere durch seinen zeichenhaften Besuch der Moschee von Damaskus. Der bevorstehende Besuch Papst Benedikts XVI. in der Türkei setze diesen Weg des Dialogs fort.
Freilich werde das Klima derzeit von mehreren Umständen belastet. Der KAVÖ nennt den Terror islamistischer Fanatiker ebenso wie "Diffamierungen des Islam in europäischen Wahlkämpfen und Presseorganen", sowie die mangelnde Religionsfreiheit in manchen islamischen Staaten und die damit verbundene Diskriminierung und Verfolgung von Christen.