Kath. Schulen leisten unverzichtbaren Dienst
Wien, 21.11.06 (KAP) Die katholischen Schulen in Österreich leisten einen unverzichtbaren Dienst für Staat, Gesellschaft und Kirche. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstag in seiner Eigenschaft als "Schul-Bischof" bei der Herbsttagung der österreichischen Ordensgemeinschaften. Eine gute Schule zeichne sich u.a. durch die Vermittlung von Wissen aus, das Lebensrelevanz hat, sowie durch die Verpflichtung auf einen ganzheitlichen Bildungsbegriff und durch die Vermittlung von ethischen Grundsätzen.
Indem Ordensgemeinschaften und Diözesen christliche Werte in den katholischen Schulen zukunftsorientiert einbringen, leisten sie einen entscheidenden Dienst am demokratischen Staat und an seiner Zukunft, betonte der Wiener Erzbischof. Daher habe der Staat auch allen Grund, die katholischen Schulen zu fördern. Der demokratische und weltanschaulich neutrale Staat lebe von Werten, die er selbst nicht schaffen könne. Umso notwendiger sei dafür der Dienst der Kirchen und Religionsgemeinschaften.
Der Dienst der katholischen Schulen an der Zivilgesellschaft bestehe vor allem darin, im gegenwärtigen Pluralismus Identität und Verwurzelung zu ermöglichen. Schönborn: "Die katholische Schule erbringt - wie auch der Religionsunterricht - dieses Angebot. Sie lädt als missionarischer Ort ein zum Vertrautwerden mit dem Glauben, zur Beheimatung in der Kirche. Sie mutet sich zu, junge Menschen wissen zu lassen, was katholische Christen warum glauben und welche Konsequenzen das für ihr Leben hat". Dadurch trage die Schule dazu bei, "dass pluralistische Gesellschaft lebbar ist und bleibt und nicht zum undurchschaubaren Durcheinander verkommt und an heilloser Beliebigkeit scheitert".
Kardinal Schönborn bekräftigte auch seine Forderung, dass die Schule mehr bieten müsse, als Kinder nur an die Welt der Erwachsenen "anzupassen". Die Meinung, dass man Kinder sehr früh mit dem tatsächlichen Leben konfrontieren und auf die Lebenswelt der Erwachsenen vorbereiten muss, gehöre hinterfragt. Es brauche vielmehr eine gewisse "Bewahrung", aus der heraus die Kinder dann gestärkt in die Welt hinaus entlassen werden. Diese Philosophie einer "ersten Bewahrung des Kinder" führe nicht zu "Traumtänzern", sondern zu "Menschen mit Rückgrat", betonte der Kardinal.
Schule und Islam
Der Wiener Dechant und Islam-Experte Martin Rupprecht plädierte bei der Ordenstagung dafür, dass das Prinzip des interkulturellen Lernens verpflichtend für jede Schule sein müsse. Am besten sogar in Form eines eigenen Schulfachs, so Rupprecht, auch wenn die Budgetmittel knapper werden. In einer globalisierten Welt seien ein solches interkulturelles Lernen, das gegenseitige Kennenlernen und der gegenseitige Austausch aber unerlässlich. Denn ohne Vertrautheit mit dem anderen bleibe jeder Dialog ohne Wurzeln.
Rupprecht wies darauf hin, dass die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in wenigen Jahrzehnten einen ungeheuren Entwicklungsprozess durchlaufen habe und immer noch durchlaufe. Das betreffe einerseits innerkirchliche Themen, andererseits aber auch das Verhältnis zu anderen Konfessionen und Religionen. Auch der Islam ringe derzeit mit einer solchen Entwicklung, so der Dechant, der betonte, dass es im Islam viele verschiedene Gruppierungen mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen gibt. Von allen in Österreich lebenden Muslimen könnten nur zwei Prozent radikalen islamistischen Richtungen zugezählt werden, so Rupprecht. Die überwiegende Mehrheit der Muslime teile deren Einstellung nicht.
Man müsse auch die positiven Seiten des Islam sehen und dürfe nicht nur bei den negativen Bildern stehen bleiben, sagte der Dechant für den 16. Bezirk, in dessen Seelsorgebereich besonders viele türkische Muslime wohnen. Es gelte vor allem, dem anderen unvoreingenommen gegenüberzutreten und den Menschen zu sehen. Rupprecht, der gut türkisch spricht, ist im ständigen Kontakt mit Repräsentanten der muslimischen Gemeinde.