"Kaderschmiede Frintaneum" - Symposium in Wien
Wien, 22.11.06 (KAP) Das "Frintaneum", eine kirchliche "Kaderschmiede", die von 1816 bis 1918 in Wien bestanden hat, steht im Zentrum eines kirchenhistorischen Symposions am 23./24. November in der österreichischen Bundeshauptstadt. Im Jahr 2002 war das internationale Forschungsprojekt "Das 'Frintaneum' und die Diözesen der Habsburger-Monarchie" gestartet worden. Im Rahmen des Symposions werden nun erste Forschungsergebnisse präsentiert, die den Donau-Alpen-Adria-Raum betreffen, kündigte der Wiener Kirchenhistoriker Prof. Rupert Klieber an.
Ziel des Projekts ist es, die Bedeutung des nach dem Mitinitiator, dem Burgpfarrer Jakob Frint, benannten Priesterkollegs St. Augustin ("Frintaneum") in Wien zu beleuchten. Dem Kolleg - einer Post-Graduate-Einrichtung für Priester - sei, so Klieber eine "klar definierte Rolle" zugekommen. Es diente im Sinne seines Gründers Kaiser Franz I. zwischen 1816 und 1918 "als Pflanzstätte eines kirchlich wie staatlich loyalen höheren Klerus" sowie als "Kaderschmiede für verantwortungsvolle Aufgaben in Kirche und Staat". Das "Frintaneum" wurde ohne Zustimmung des Vatikans gegründet; insgesamt besuchten rund 1.000 Priester das Institut, das mit dem Ende der Habsburger-Monarchie 1918 geschlossen wurde.
Beim Symposion soll der Blick auch auf andere Regionen des Habsburgerreiches wie Ungarn, Böhmen und Mähren, ausgeweitet werden, von wo die Bischöfe ebenfalls junge Priester zur Weiterbildung ins Wiener "Frintaneum" entsandten. Wie Prof. Klieber betonte, thematisiere das Symposion ausdrücklich einen Teil der mitteleuropäischen Geschichte und knüpfe durch die Wahl der Themen wie auch der Referenten unmittelbar an den Mitteleuropäischen Katholikentag von 2004 an. Zu den Referenten zählen u.a. die Kirchenhistoriker em.Prof. Karl Heinz Frankl (Wien), Johan Ickx (Archivdirektor des Kollegs "Santa Maria dell'Anima" in Rom), Jaroslav Sebek (Prag), Tomas Simcic (Triest), Peter Tusor (Budapest) sowie Lilijana Znidarsic Golec (Laibach).
Am Donnerstagabend wird Kardinal Christoph Schönborn im Anschluss an die Präsentation des Buches "Das 'Frintaneum' in Wien und seine Mitglieder aus den Kirchenprovinzen Wien, Salzburg und Görz (1816-1918)" im Erzbischöflichen Palais einen Empfang geben. Die Leiterin des Wiener Diözesanarchivs, Annemarie Fenzl, wird dabei Grußworte sprechen. Die Präsentation des Buches nehmen Prof. Frankl und der Leiter des Archivs der Diözese Gurk, Peter G. Tropper, vor. Das Buch ist im "Hermagoras"-Verlag (Mohorjeva zalozba) erschienen. Das Titelbild zeigt Propst Luigi Faidutti (1861-1931). Der Priester der Erzdiözese Görz (Gorizia) war u.a. Professor im Görzer Zentralseminar, Abgeordneter zum Reichsrat in Wien, Landeshauptmann der Grafschaft Görz. Nach dem Ende der Habsburger-Monarchie war er an der Apostolischen Nuntiatur in der damaligen litauischen Hauptstadt Kaunas tätig. Er starb 1931 in Königsberg.
Ausgerichtet wird das Symposion vom Institut für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien in Kooperation mit dem Wissenschaftsministerium und dem Wiener Diözesanarchiv sowie dem "Istituto di Storia Sociale e Religiosa" in Görz. (Informationen: Institut für Kirchengeschichte, Tel. 42.77/306.01, E-Mail: kirchengeschichte-kath@univie.ac.at).