"Lauder Chabad"-Schule: Kirchen "empört"
Wien, 27.11.06 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat sein "tiefes Mitgefühl" mit der jüdischen Gemeinde angesichts der Verwüstung der "Lauder Chabad"-Schule in Wien zum Ausdruck gebracht. Was auch immer die Motivation hinter dieser Tat sein mag, sie bleibe ein "Akt der Barbarei" und ein Warnsignal, stellte der Kardinal fest. Die "Lauder Chabad"-Schule sei ein Symbol des Wiederaufbaus der jüdischen Gemeinde nach der Katastrophe der Shoah - umso verwerflicher sei die Tat. Auf diesem Hintergrund sei auch klar, warum auch antisemitisches Reden absolut inakzeptabel ist. Gerade Christen müssten sich immer wieder daran erinnern, dass ihr Glaube jüdische Wurzeln hat und "für Antisemitismus daher kein Raum ist".
"Betroffen, entsetzt und empört" hat sich der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm, zur Verwüstung der "Lauder Chabad"-Schule gezeigt. Bei einer Pressekonferenz am Montag in Wien sagte Sturm, dass der Vorfall zeige, wie sehr das Problem Antisemitismus immer noch ungelöst sei. Alle demokratisch gesinnten Österreicher seien aufgerufen, antisemitischen Tendenzen entschieden entgegen zu treten.
In der heutigen globalen Welt sei der Respekt vor Menschen anderer Kulturen oder Religionen als Selbstverständlichkeit einzumahnen. Das gelte besonders für die jüdische Kultusgemeinde und ihre Einrichtungen, so der evangelisch-lutherische Bischof, der seit Jänner 2006 den Vorsitz im ÖRKÖ über hat.
Auch der Synodalausschuss der evangelisch-lutherischen Kirche hat mit großer Betroffenheit auf den Vandalenakt in der "Lauder Chabad"-Schule reagiert. In einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme heißt es: "Unabhängig von den noch unbekannten persönlichen Motiven des Täters stellt diese Untat einen massiven antisemitischen Übergriff dar. Wir denken vor allem an die Schülerinnen und Schüler, deren Schulräume zerstört wurden und die nicht in einer Atmosphäre der Bedrohung aufwachsen sollen. Wir teilen die Besorgnis und Betroffenheit der Israelitischen Kultusgemeinde".
In der Stellungnahme wird daran erinnert, dass sich die evangelische Kirche verpflichtet habe, "jeder Form des Antisemitismus entgegenzutreten". "Gemeinsam mit allen christlichen Kirchen" habe die evangelisch-lutherische Kirche festgehalten, dass es gegenüber dem Antisemitismus "keinerlei Toleranz und Verständnis geben darf".
Bild der Zerstörung
In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte ein zirka 30-jähriger Mann, die "Lauder Chabad"-Schule in Wien-Leopoldstadt verwüstet. Die Gänge im dreistöckigen Gebäude waren von Glassplittern der zertrümmerten Scheiben übersät. Auch Toiletten und Waschbecken wurden vermutlich mit einer Eisenstange zerstört. Nur wenige der Fenster, Türen und Vitrinen war heil geblieben. Der Täter konnte von Beamten der Spezialeinheit WEGA noch auf dem Schulgelände festgenommen werden.
Es sei noch nicht klar, ob der Mann aus ideologischen Gründen gehandelt habe oder ob es sich um die Tat eines Geisteskranken handle, so Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Welcher emotionale Schaden durch diesen schlimmen antisemitischen Akt in der jüdischen Gemeinde - vor allem bei den betroffenen Schülern - angerichtet worden sei, lasse sich noch nicht feststellen.
Muzicant betonte anlässlich des Vandalenakts in der "Lauder Chabad"-Schule seine generelle Sorge über das politisch-gesellschaftliche Klima in Österreich. Es sei zum Beispiel bedenklich, wenn manche Leute sagen, dass die NS-Zeit auch etwas Gutes gehabt habe, sich gleichzeitig aber gegen Gewalt aussprechen und betonen, demokratisch gewählt zu sein. "Das sind die fließenden Grenzen, die bei uns wieder möglich geworden sind", bedauerte der Präsident der Kultusgemeinde.