Sozialwort bleibt "gesellschaftlicher Kompass"
Wien, 30.11.06 (KAP) Auch drei Jahre nach seiner Unterzeichnung durch die vierzehn beteiligten christlichen Kirchen hat das "Ökumenische Sozialwort" nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Dies betonten die Vertreter der Kirchen bei einem Festakt am Mittwochabend im Parlament. Das "Sozialwort" sei nach wie vor "gesellschaftlicher Kompass", so der frühere "Sozialbischof" Maximilian Aichern.
Wie der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Bischof Herwig Sturm, im Gespräch mit "Kathpress" sagte, werde die Aktualität des "Sozialwortes" gerade dadurch sichtbar, dass es die "derzeit politisch diskutierten Themen wie soziale Sicherung, Bildung, Menschenrechte, Faktor Arbeit" seien, die im "Sozialwort" "bereits zukunftsfähig formuliert" wurden. Darüber hinaus biete es der Politik wie der Gesellschaft "Orientierung in einer Welt des ständigen Wandels", so Sturm.
Diakonie-Direktor Michael Chalupka betonte, dass die gegenwärtige intensive Diskussion über die Themen Pflege und Mindestsicherung "ohne das 'Sozialwort' und den Prozess, der zum 'Sozialwort' geführt hat" nicht möglich gewesen wäre. Das Ziel des "Sozialwortes" sei es, "Diskussionen anzustoßen und dazu beizutragen, "Themen auf die politische Agenda zu bringen, die ansonsten vielleicht nicht so vordringlich behandelt würden".
Der orthodoxe Metropolit Michael Staikos bezeichnete das "Sozialwort" als "Zeichen konkreter Ökumene". Als solches mache es deutlich, "dass Religion und Kirche keine Privatsache" darstellen, sondern "Faktoren, die den Menschen prägen" und vom Staat daher zu fördern seien. Die dem "Sozialwort" zu Grunde liegende "Idee der unbedingten Würde des Menschen und der daraus resultierenden Rechte" müsse "zum Fundament jeder politischen Entscheidung werden", forderte Staikos.
Auf die bleibende Aktualität wiesen während der Feierstunde im Parlament weiterhin die Wiener Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Luise Gubitzer und der Wiener Religionspädagoge Prof. Martin Jäggle hin. Laut Gubitzer trage das "Sozialwort" dazu bei, einen "umfassenden Begriff von Wirtschaft" gegen die "derzeitigen Abwertungsversuche des Faktors Arbeit" zu bewahren. Der Mensch in seiner Würde müsse gegen "ausufernde Rationalisierung und Gewinnorientierung" verteidigt werden. Jäggle betonte die zentrale Bedeutung des Themas Bildung. Dabei fordere das "Sozialwort" einen "ganzheitlichen Bildungsbegriff" ein, der auch die Religion in ihrer identitätsbildenden Bedeutung einschließe. Positive Beispiele für die konfessionsübergreifende Zusammenarbeit im Bildungsbereich seien u.a. die neue Kirchliche Pädagogische Hochschule in Wien sowie das Wiener Projekt eines "konfessionell kooperativen Religionsunterrichts".
Unter den Gästen war auch der Linzer Altbischof und Mitinitiator des "Sozialwortes", Maximilian Aichern. Er betonte im Gespräch mit "Kathpress", dass das "Sozialwort"^ nach drei Jahren "noch lange nicht schubladisiert ist", sondern in politischen Diskussionen "immer wieder hervorgeholt und rezipiert" werde. Es sei "aus dem Geist des Evangeliums heraus formuliert" und müsse als "gesellschaftlicher Kompass und als Gewissen der Kirche in der Welt" verstanden werden, so Aichern.