Habsburg war "großer Europäer von katholischer Weite"
Kaisersohn Otto Habsburg ist im Alter von 98 Jahren verstorben. Das Requiem, das Kardinal Schönborn halten wird, ist für den 16. Juli im Wiener Stephansdom geplant
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Als "großen Europäer von katholischer Weite" hat Kardinal Christoph Schönborn den verstorbenen Otto Habsburg gewürdigt. Er sei "zweifellos einer der ganz großen Europäer" und könne gemeinsam mit Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi in die Reihe der "Architekten des Europagedankens und der europäischen Integration" gestellt werden, sagte Kardinal Schönborn in einem Nachruf gegenüber "Kathpress".
Otto Habsburg war in der Nacht auf Montag in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See in Bayern im Alter von 98 Jahren verstorben. Das Requiem, das Kardinal Schönborn halten wird, ist für den 16. Juli im Wiener Stephansdom geplant, anschließend soll die Beisetzung in der Wiener Kapuzinergruft stattfinden. Requiem und Beisetzung seien "für Österreich ein historischer Moment" und es tue dem Land gut, so Schönborn, "im Gebet und in Dankbarkeit an diesen großen Habsburger zu denken".
Bei allem politischen Engagement sei Otto Habsburg stets ein "zutiefst von seinem katholischen Glauben geprägter Mann" gewesen. Der Glaube habe ihm "Festigkeit gegeben, aber auch umfassende Weite im guten Sinne des Wortes 'katholisch'", so Schönborn. So habe er sich stets für die "großen gesellschaftlichen und sozialen Fragen" interessiert und sich dabei "in seinem Denken und Handeln vom Glauben leiten lassen".
"Dankesschuld dem Haus Habsburg gegenüber"
Ihn habe es "immer geschmerzt", so Schönborn weiter, dass es "in Österreich so lange gedauert hat, bis es zu einer angemessenen Dankbarkeit gegenüber den Haus Habsburg gekommen ist, dem Österreich so unglaublich viel verdankt" und von dessen "politischem und kulturellem Erbe wir bis heute zehren". Es gebe "so etwas wie eine Dankesschuld dem Haus Habsburg gegenüber" - diese Dankbarkeit sei ein Zeichen "seelischer Reife - und wir haben Grund genug, für diesen Menschen zu danken", unterstrich der Wiener Erzbischof, der als Ordenskaplan des Habsburger Haus-Ordens der Ritter vom Goldenen Vlies zugleich eine Art Hausseelsorger für das Haus Habsburg ist.
Kardinal Schönborn erinnerte auch an eine Begebenheit nach dem Festgottesdienst beim Mitteleuropäischen Katholikentag am 22. Mai 2004 in Mariazell, die bezeichnend für Otto Habsburg gewesen sei. Damals waren knapp nach der Erweiterung der Europäischen Union an die 100.000 Gläubige aus den Nachbarländern gekommen, unter ihnen die Staatspräsidenten der Länder, EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und Otto Habsburg. "Dafür habe ich gelebt", sagte ein fröhlicher und vom Regen durchnässter Habsburg damals, tief beeindruckt von der "Wallfahrt der Völker".