Küberl würdigt Entwicklung nach Tsunami
Wien-Jakarta, 13.12.06 (KAP) Caritas-Präsident Franz Küberl hat die Entwicklung in den vom Tsunami betroffenen indonesischen Provinzen Aceh und die Insel Nias in einem "Kathpress"-Gespräch am Mittwoch positiv gewürdigt. Küberl war aus Anlass des bevorstehenden 2. Jahrestags des verheerenden Seebebens von Weihnachten 2004 in Aceh, Nias und der sumatranischen Inselmetropole Medan gewesen.
Küberl berichtete von ruhigen Vorbereitungen auf die historischen Gouverneurs- und Bürgermeisterwahlen in Aceh. Mit ihnen hatten die Bewohner der Region an der Nordspitze des Inselstaates nach drei Jahrzehnten Krieg und Ausnahmezustand erstmals ihren eigenen Gouverneur gewählt. Wahlsieger am 11. Dezember wurde Irwandi Yusuf, ein ehemaliger Rebellenführer.
Dass diese Wahlen möglich wurden, war auf ein Einlenken der Konfliktparteien nach dem Tsunami zurückzuführen, auf massive Wiederaufbauhilfe aus dem Ausland sowie auf eine Friedensvermittlung der EU - sie ist die weltweit einzige erfolgreiche Friedensmission der vergangenen zwei Jahre. Indonesien, das 200-Millionen-Land der "Pancasila" (der fünf Religionen), hatte lange Zeit als Musterbeispiel für ein friedliches Zusammenleben von Völkern und Religionen gegolten. Die ab 1975 eskalierten Konflikte um Osttimor, Westpapua und Aceh warfen jedoch Schatten auf die herrschende Staatsideologie.
In Aceh wurde von Küberl der Fortschritt eines 2,4-Millionen-Euro-Hausbauprojekts in Augenschein genommen. Die Küste der Provinz war am 26. Dezember 2004 vom Tsunami völlig verwüstet worden; mehr als 100.000 Menschen kamen ums Leben. Das Wiederaufbauprojekt im Bezirk Lhoong (16 Gemeinden der Provinz Aceh) wird gemeinsam von der Caritas Österreich und der deutschen Caritas finanziert. Lokaler Partner ist die NGO "Masyarakat Makmur Mitra Adil" (MaMaMiA), die vom gebürtigen Niederländer Abraham Heijboer geleitet wird.
"MaMaMiA" war der Caritas von Kardinal Christoph Schönborn empfohlen worden. Der Wiener Erzbischof war unmittelbar nach dem Tsunami in Banda Aceh. Die lokale NGO hat in der Region einen guten Ruf; sie führte bereits vor Dezember 2004 Entwicklungsprojekte für die ländliche Bevölkerung durch. Im März 2005 war mit dem Bau von 800 Häusern begonnen worden, mittlerweile sind 1.060 Häuser fertig gestellt.
Der Caritas-Präsident wies auf die hohe Zufriedenheit der Menschen mit ihren neuen Häusern und Gärten hin. Wichtig sei gewesen, dass die Bewohner tatsächlich Eigentümer des Grundes sind - in vielen Fällen mussten von Tsunami verwüstete Grundstücke aufgegeben und neue erstanden werden, dass der Großteil der Bauarbeit Eigenleistung gewesen sei und dass schließlich eine tsunamisichere hohe Bauweise gewählt wurde.
Erfolgreiche Vergabe von Kleinkrediten
Ein ähnliches Projekt im Unfang von 300 Häusern nahm Küberl auf der - im Gegensatz zum muslimischen Aceh - mehrheitlich christlichen Insel Nias in Augenschein. Die Caritas half in Nias auch bei der Erweiterung der von Franziskanerinnen geführten beiden Heime für Behinderte und für Waisen.
Im Bereich Einkommensschaffung half die Caritas mit einer Kleinkreditaktion mehr als 250 Frauen bei der Eröffnung eines Kleingewerbebetriebs in Banda Aceh. Die Rückzahlungsquote betrug 98 Prozent. Küberl sprach diesbezüglich von einem "ungeahnten Erfolg". Schließlich wurde in Kooperation mit der örtlichen Caritas in Banda Aceh ein Dorf für Leprakranke errichtet.
Dass der Tsunami im Indischen Ozean, der am Stephanitag 2004 an den Küsten der angrenzenden Länder über 200.000 Menschen das Leben kostete, gerade in der am schlimmsten betroffenen Region eine erstaunliche Entwicklung befördert habe, wurde Küberl auch vom Medaner Erzbischof Alfred Datubara bestätigt. Der Erzbischof empfing den Caritas-Chef in seinem Büro in der Millionenstadt Medan. "Er hat betont, wie sehr sich die Menschen und die Ortskirche über die Unterstützung aus Österreich freuen und dass diese Hilfe ein 'positive Globalisierung' war", so Küberl.
Nach einem im vergangenen August getroffenen Abkommen wird die Provinz Aceh 2009 eigene Gesetze ohne Zustimmung aus Jakarta verabschieden dürfen. Die Kandidaten für die Wahlen am 11. Dezember haben eine gemeinsame Vereinbarung unterschrieben, in der sie sich verpflichten, auf jegliche Art von Gewalt oder Einschüchterung zu verzichten. Der Konflikt in der Region, in der einst erstmals der Islam aus Arabien in Südostasien auftauchte, hatte bereits kapp 15.000 Tote gefordert, als der Tsunami kam. Doch diese Naturkatastrophe sorgte unter den Kriegern auf Aceh schließlich für eine gewisse Besinnung. Nachdem die Toten der Flutwelle in Massengräbern begraben und die Aufräumarbeiten an den Stränden und im Hinterland einigermaßen abgeschlossen waren, unterzeichneten Regierung und Rebellen das Friedensabkommen.