Begegnung zwischen Katholiken und Muslimen
Wien, 14.12.06 (KAP) Im Zeichen der menschlichen Begegnung zwischen Christen und Muslimen stand am Mittwochabend im Wiener Erzbischöflichen Palais der "Abend des Kennenlernens", zu dem Kardinal Christoph Schönborn die Vertreter türkisch-islamischer Organisationen eingeladen hatte. Wie Kardinal Schönborn betonte, hängt die Frage, ob die Religionen als Friedensstifterinnen ernst genommen werden, davon ab, ob sie untereinander jene Werte leben, zu denen sie sich eigentlich verpflichtet fühlen: Frieden stiften, Barmherzigkeit pflegen, Gleichberechtigung schaffen. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, sprach sich für das "Zusammenleben in Frieden und Freundschaft" aus. Auch der türkische Botschafter Selim Yenel dankte Kardinal Schönborn, dass er eine "Tür des Dialogs zwischen den Religionen" geöffnet habe. Zugleich erinnerte der Diplomat daran, dass der Besuch Papst Benedikts XVI. in der Türkei einen "Funken des Friedens" entzündet habe. Dieser erste "Abend des Kennenlernens" war auf die Initiative von Dechant Martin Rupprecht zurückzuführen, der gut türkisch spricht und bereits viele "Brücken des Verstehens" zwischen katholischen Pfarrern und muslimischen Imamen in Wien gebaut hat.
Kardinal Schönborn erinnerte an das Wort Johannes Pauls II.: "Dialog bedeutet, das Herz der anderen zu verstehen versuchen". Das Zweite Vatikanische Konzil habe den Christen aufgetragen, auch die echten Werte der anderen Religionen "anzuerkennen, zu wahren und zu fördern". Das könne aber nur gelingen, wenn man um diese Werte wisse und sie erlebt habe.
Pfarrer Rupprecht habe es sich zum Ziel gesetzt, Katholiken und Muslime auf Ortsebene miteinander bekannt zu machen, erinnerte der Wiener Erzbischof. Rupprecht sei kein Islamexperte im akademischen Sinn, seine Initiative komme aus einem pastoralen Anliegen, aus der Sorge als Pfarrer, "dass in keiner Pfarrgemeinde Verständnis und Wertschätzung gelebt werden kann, wenn es kein Kennenlernen des Nachbarn gibt". Die von Pfarrer Rupprecht geschaffene neue "Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung" sei als Ergänzung zu vorhandenen Institutionen des Dialogs zu verstehen".