Christen und Muslime sollen einander begegnen können
Wien, 15.12.06 (KAP) Auf der Ebene des offiziellen interreligiösen Dialogs mag es "einigermaßen rund und einvernehmlich zugehen", es mangle jedoch weiterhin "an der konkreten Begegnungsarbeit auf lokaler Ebene": Dies betonte der Wiener Dechant und Leiter der neu geschaffenen "Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung", Martin Rupprecht, im Gespräch mit "Kathpress". So gebe es immer noch zahlreiche Pfarrgemeinden, die keinerlei Kontakte zu den benachbarten Moscheegemeinden besäßen, so Rupprecht.
Aus dieser "Leerstelle in der interreligiösen Begegnung" sei die Notwendigkeit erwachsen, eine Kontaktstelle zu schaffen. Zu seinen Aufgaben zähle daher "die Ermutigung, Ermunterung und Begleitung von Pfarr- und Moscheegemeinden, die den beiderseitigen Wunsch haben, einander kennen zu lernen aber nicht wissen, wie sie den ersten Schritt tun sollen", so Rupprecht.
Eine der ersten Aktionen im Rahmen seiner Vermittlungsarbeit sei die Zusammenführung von 25 christlichen mit 25 muslimischen Familien während des islamischen Fastenmonats Ramadan zu sogenannten "Iftar-Essen" gewesen. Das "Erleben von Kultur- und Religionsverschiedenheit" sei für viele eine vollkommen neue Erfahrung gewesen, so Rupprecht. So gebe es von beiden Seiten ein großes Unwissen über die jeweils andere Kultur, wie Rupprecht am Beispiel eines türkischen Lehrers erläuterte, der bereits seit 17 Jahren in Wien lebe, aber noch nie bei einer österreichischen Familie zu Gast war. Erst die Aktion "Familien begegnen Familien" habe ihn "an den Tisch einer österreichischen Familie und damit in Kontakt mit österreichischer Kultur gebracht", so Rupprecht. Ein gehaltvoller interreligiöser Dialog sei jedoch erst dann möglich, wenn man "über das gegenseitige Kennenlernen zu einem gegenseitigen Verstehen" komme, betonte Rupprecht.
Die Kontaktstelle ist laut Rupprecht nicht zuletzt auch auf Wunsch der Muslime zustande gekommen. So habe es bei vielen Moscheegemeinden den ausdrücklichen Wunsch gegeben, einen konkreten Ansprechpartner in der Diözese zu haben und so die interreligiösen Beziehungen auf Gemeindeebene zu verbessern. Neben der Vermittlungsaufgabe zählt auch die Beratung in Fragen gemischt-religiöser Partnerschaften und Ehen zu den Angeboten der Kontaktstelle.