Integration: "Iustitia et Pax" fordert mehr Initiativen
Wien, 18.12.06 (KAP) Die österreichische kirchliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax") hat im Hinblick auf die Regierungsbildung umfassende Initiativen zur Integration von Zuwanderern in Österreich eingefordert. Für die Kommission "Iustitia et Pax" - eine offiziellen Einrichtung der Österreichischen Bischofskonferenz - hängt das Gelingen von Integration davon ab, ob im freiheitlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Gemeinwesen "ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben unter den Bedingungen kultureller und religiöser Vielfalt, aber auf der Basis rechtlich verpflichtender Grundnormen" gesichert werden kann. Integration bedeute weder religiöse oder kulturelle Selbstaufgabe noch Assimilation. Die Bewahrung der jeweiligen Identität soll Integration erleichtern und dadurch die Selbstabschließung in Ghettos und die Entstehung von "Parallelgesellschaften" verhindern.
In Sachen Sprachkompetenz fordert "Iustitia et Pax" ein breiteres und differenzierteres Angebot an Sprachkursen, die zu Integrationskursen weiterentwickelt werden sollen. In den Kreis der Anspruchsberechtigten sollen alle Zuwanderer mit einer längerfristigen Aufenthaltsperspektive einbezogen werden.
Im Bereich der Erziehung und Bildung soll das Angebot an Kindergärten und Schulen mit Integrationskräften ausgeweitet werden. Ein eigenes Vorschuljahr zum Erlernen der Landessprache für Kinder ohne deutsche Muttersprache sei anzustreben.
Der besondere Schutz von Ehe und Familie sowie die Pflicht zur Förderung von Kindern müsse auch für Zuwanderer gelten. Wer ein Recht auf dauerhaften Aufenthalt in Österreich hat, soll auch einen Rechtsanspruch auf Familienzusammenführung haben, fordert "Iustitia et Pax".
Im Hinblick auf den Islam wird festgehalten, dass mit der gesetzlichen Anerkennung des Islam im Jahre 1912 Voraussetzungen geschaffen worden sind, die der Entwicklung einer Identität als Muslim und sich mit Österreich identifizierender Bürger entgegenkommt. Die geltenden Bestimmungen bedürften jedoch einer Novellierung, um den heutigen Erfordernissen gerecht zu werden, so im Hinblick auf Militär-, Gefangenen- und Krankenhausseelsorge.
Entschiedeneres Vorgehen wünscht sich "Iustitia et Pax" gegen rassistische und fremdenfeindliche Übergriffe und Äußerungen. Der Humanismus, besonders aber der Glaube an den einen Schöpfergott aller Menschen schließe jegliche Spielart von Rassismus und Xenophobie aus. Die bisherigen Anstrengungen zur Verbesserung des Umgangs mit Angehörigen von Minderheiten innerhalb des öffentlichen Dienstes - "und insbesondere in der Exekutive" - sollten verstärkt fortgesetzt werden.
Die Kommission "Iustitia et Pax" befasst sich mit Grundsatzfragen des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Menschenrechte. Sie bringt ethische und politische Grundfragen aus der Sicht der kirchlichen Soziallehre in die politische Meinungsbildung ein und unterzieht gesellschaftspolitische Vorgänge einer sozialethischen Wertung. Vorsitzender der Kommission ist der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz. (Informationen: Generalsekretär Hanspeter Ruedl, Tel. 317.03.21/72; E-Mail: hanspeter.ruedl@iupax.at).