Mauerbau vor 50 Jahren: Auch die Kirche war betroffen
Durch den Bau waren über 20 Berliner Pfarren betroffen, die getrennt wurden. Der Staat ließ die Kirche in Seelsorge und Caritas einigermaßen gewähren, politisch war sie dafür kaum noch präsent
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Bau der Berliner Mauer, 1961 |
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Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 stellte auch die Berliner Katholiken vor besondere Herausforderungen. Seit der Abberufung ihres bisherigen Bischofs Julius Döpfner, den der Papst am 6. Juli 1961 zum neuen Erzbischof von München und Freising ernannt hatte, standen sie ohne Oberhaupt da - und das in einer Zeit, in der es immer schwieriger wurde, die Einheit der Berliner Diözese über die Grenzen der politischen Systeme hinweg zu bewahren. Döpfner, der seinen Sitz in West-Berlin hatte, war es von den DDR-Behörden bereits seit Mai 1958 verwehrt, den Ostteil der Diözese jenseits der Stadtgrenzen Berlins zu betreten. Die Mauer könnte, so schien es, der Diözese den Lebensnerv abklemmen.
Zumindest die Führungsfrage konnte unverzüglich geklärt werden. Drei Tage nach dem Beginn des Mauerbaus ernannte Papst Johannes XXIII. am 16. August den bereits am 27. Juli vom Domkapitel gewählten Berliner Weihbischof Alfred Bengsch zum neuen Diözesanbischof. Der damals 39-jährige Bengsch war DDR-Bürger und hatte seinen Wohnsitz in Ost-Berlin. Somit hatte er Zugang zum flächenmäßig größeren Teil der Berliner Diözese, in dem aber nur der kleinere Teil der Katholiken lebte. Aber würde er auch nach West-Berlin reisen dürfen? Diese Frage konnte mit den Staatsorganen bald so geklärt werden, dass dies dem Bischof an zunächst drei Tagen im Monat - später waren es zehn - gestattet wurde. Doch damit war nur ein kleiner Teil der Probleme gelöst.
Für den Ostteil der Diözese musste ab 1961 ein eigenes Ordinariat aufgebaut werden - bereits vorher hatte es wegen der unterschiedlichen Währungen eine eigene kleine Finanzverwaltung und eine Außenstelle des Seelsorge-Referats gegeben. Die in der DDR residierenden Bischöfe konnten nicht mehr an den Tagungen der Deutschen Bischofskonferenz teilnehmen; der Berliner Bischof ließ sich seither durch seinen West-Berliner Generalvikar vertreten.
Unmittelbar betroffen durch die Mauer waren mehr als 20 katholische Berliner Pfarrgemeinden, die getrennt wurden. Der weit über Berlin hinaus bekannte Chor der Sankt-Hedwigs-Kathedrale konnte plötzlich seine Hauptaufgabe nicht mehr wahrnehmen, weil die Mehrzahl der Sänger im Westen wohnte. Erst ab 1975 konnte an der Kathedrale ein neuer Chor aufgebaut werden.
"Stille Diplomatie" mit der SED-Führung
Kirchenpolitisch entwickelte sich nach dem Mauerbau der sogenannte "Modus vivendi" zwischen der Diözese und dem SED-Staat, der nie schriftlich fixiert wurde, aber auch unter Bengschs Nachfolger Joachim Meisner bis zu dessen Ernennung zum Erzbischof von Köln Ende 1988 eingehalten wurde. Er war gekennzeichnet durch eine weitgehende politische Abstinenz der Kirche in der Öffentlichkeit bei gleichzeitiger "stiller Diplomatie"; im Gegenzug ließ der Staat die Kirche in Seelsorge und Caritas einigermaßen gewähren und tastete die - grundsätzlich abgelehnte - Einheit der Diözese nicht an. Aber nicht nur an dieser Front musste Bengsch die kirchliche Einheit der Diözese - zum Ende der DDR eine der letzten innerdeutschen Klammern - verteidigen; auch unter den West-Berliner Katholiken gab es in den 1960er und 1970er Jahren nicht wenige, die sich mindestens einen "eigenen" Weihbischof gewünscht hätten.
Manche Katholiken blieben in den 28 Jahren, in denen Mauer und Stacheldraht die Stadt trennten, grenzüberschreitend in Kontakt, etwa in den geteilten Pfarrgemeinden oder durch den Besuch der Bischofskirche an den hohen Feiertagen. Die West-Berliner konnten schließlich, wenn sie den Zwangsumtausch von 25 Mark zu leisten bereit waren, zu Tagesbesuchen nach Ost-Berlin einreisen; umgekehrt war das nur Pensionisten möglich.
Dennoch zeigte sich nach dem Ende der DDR, wie weit sich beide Teile der Diözese auseinanderentwickelt hatten. Der Versuch, das Zusammenwachsen nach 1990 für Ost und West erträglich zu gestalten, war mit den vielen Doppelstrukturen eine der Ursachen, die zur Finanzkrise der mittlerweile zur Erzdiözese erhobenen Ortskirche führten. 50 Jahre nach dem Mauerbau und mehr als 20 Jahre nach ihrem Abriss zeigen sich immer noch Mentalitätsunterschiede.
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