Kardinal Schönborn hofft auf "einvernehmliche Lösung"
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Nach einem Gespräch mit Vertretern der "Pfarrer-Initiative" zu deren unlängst veröffentlichten "Aufruf zum Ungehorsam" hofft der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, weiterhin "auf eine einvernehmliche Lösung" des Konflikts. Bei dem Gespräch am Mittwoch in Wien habe er "klar gemacht, dass das so nicht stehen bleiben kann" und eine Klärung "unbedingt notwendig" sei, sagte Schönborn in einem Interview mit dem "Standard" (Samstag). Sollte der Dissens "in substanziellen Fragen" weiter aufrecht bleiben, so müssten sich die Unterzeichner - allen voran der Obmann der Initiative, Helmut Schüller - allerdings der Frage stellen, wie ihr "weiterer Weg in der Kirche" aussehe.
Den Ungehorsams-Aufruf könne er "in dieser Form sicher nicht stehen lassen", so Schönborn. Daher habe er den Gesprächsteilnehmern auch "Fragen mit auf den Weg gegeben, die wir in einer zweiten Runde im Herbst dann besprechen werden". Wörtlich sagte Schönborn gegenüber dem "Standard": "Jetzt setze ich einmal auf Nachdenklichkeit und Gespräch - und nicht auf die Keule. Aber eine Entscheidung steht an."
Zur Frage nach den von der "Pfarrer-Initiative" geforderten Reformen etwa beim Zölibat oder der Weihe von Frauen sagte Schönborn, er sei "klar für die Beibehaltung" der Traditionen.
Weiters äußerte sich Schönborn zur Missbrauchskrise des vergangenen Jahres. Die hohen Austrittszahlen hätten ihn schwer getroffen: "Es war mir echt zu viel." In dieser Zeit habe er sich gefragt: "Hat die Kirche das verdient? Haben wir uns nicht bemüht? Ist sie wirklich so schlecht?" Erst mit Ostern sei eine vorsichtige Hoffnung bei ihm wiedergekehrt, so der Kardinal. Heuer seien die Austrittszahlen wieder stark zurückgegangen und auf dem Niveau von 2008.
Als langfristige Chance erachtet Schönborn den gesellschaftlichen Wandel, der auch vor der katholischen Kirche nicht Halt mache. Es finde ein "kultureller Umbruch" statt, der mit einer Entwertung des Sonntags als besonderer Zeit in der Woche einhergehe. Heute sei entsprechend auch der Messbesuch nicht mehr selbstverständlich wie zu früheren Zeiten - vielmehr besuchten Menschen den Gottesdienst heute "aus bewusster Entscheidung heraus", weil er ihnen wichtig sei. Dies sei "langfristig gesehen eine Chance".
"Aufruf zum Ungehorsam"
Die 2006 gegründete "Pfarrer-Initiative" hatte Mitte Juni einen "Aufruf zum Ungehorsam" ins Internet gestellt. Den Informationen nach wurde er vom Vorstand der Initiative verabschiedet und publiziert. Wegen der "römischen Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform" sehe sich die Gruppe gezwungen, künftig "Zeichen zu setzen". Angekündigt wird die Kommunion auch für wiederverheiratete Geschiedene, Mitglieder anderer Kirchen und Ausgetretene; einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung wolle man künftig als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen.
Weiter will die Initiative "das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Man werde sich für Pfarrgemeindeleiter unabhängig von Geschlecht, Familienstand oder kirchlicher Anstellung sowie für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt einsetzen.
Mehrere österreichische Bischöfe haben den "Aufruf zum Ungehorsam" nach dessen Veröffentlichung scharf kritisiert. So sprach Kardinal Schönborn von einer "schmerzliche Verwundung der Einheit". Der Grazer Bischof Egon Kapellari sah im Aufruf der "Pfarrer-Initiative" eine "selektive Wahrnehmung der jetzigen Gesamtsituation der Kirche in Österreich".