In den Silvester-Knallern steckt Kinderarbeit
Wien, 28.12.06 (KAP) Fast alle Feuerwerkskörper, die zu Silvester in den Himmel steigen, werden unter menschenverachtenden Bedingungen von Kindern und Jugendlichen hergestellt. Darauf hat die salesianische Aktion "Jugend Eine Welt" am Donnerstag aufmerksam gemacht. Die "Feuerwerksindustrie" sei eine "Industrie der Armen" in China, Indien und einigen lateinamerikanischen Staaten. Gesetzliche Regelungen über den Umgang mit gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen, vor allem aber über das Verbot der Kinderarbeit würden in den Ursprungsländern der Feuerwerkskörper "weder eingehalten noch kontrolliert".
Die Exportfirmen würden, um mit den gnadenlos niedrigen Preisen mithalten zu können, die Feuerwerkskörper zum größten Teil in Heimarbeit fertigen lassen, betont "Jugend Eine Welt". In diesem Bereich sei überhaupt keine Kontrolle möglich. Für 10.000 Zündschnüre - etwa eine Tagesleistung - bekämen Kinder in China vier Yuan (ungefähr 50 Cents). In Indien arbeiten etwa 30.000 Menschen in den Feuerwerksfabriken - 20 Prozent davon sind Kinder, die im Alter von 10 bis 12 Jahren in dieser Sparte zu arbeiten beginnen.
Manche Kinder kommen aus Ortschaften, die 40 bis 50 Kilometer vom Fabrikationsstandort entfernt sind. Sie werden zwischen 3 und 5 Uhr morgens mit Bussen in ihren Dörfern abgeholt und zwischen 18 und 21 Uhr abends wieder heimgebracht. Die Löhne der Kinder liegen zwischen 15 bis 28 Rupien (51 bis 62 Cents), in den Feuerwerksfabriken ohne Lizenzen zwischen 8 bis 15 Rupien (etwa 28 bis 51 Cents). Die Fabriken ohne Lizenzen setzen sich nach Berichten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) fast immer über die Sicherheitsbestimmungen hinweg.
Als Alternative zur Ausbeutung von Mädchen und Buben in der Feuerwerksindustrie hat "Jugend Eine Welt" ein Straßenkinderprojekt am indischen Eisenbahnknotenpunkt Vijayawada gestartet. Etwa 90 Prozent der in der "Feuerwerksindustrie" beschäftigten Kinder haben die Schulausbildung abgebrochen und 10 Prozent haben gar keine schulische Ausbildung. Da ihre Familien durch wirtschaftliche und soziale Missstände zerbrechen, zieht es jährlich mehr als 1.000 Kinder nach Vijayawada. Hier leben sie dann ohne elterlichen Schutz, regelmäßige Verpflegung und medizinische Betreuung. Bereits seit 1994 kümmern sich hier die Salesianer Don Boscos um die Kinder. Den Ablauf der Betreuung können die Kinder selbst mitbestimmen. Rund um die Uhr steht ein Anlaufzentrum zur Verfügung, wo sie Verpflegung, medizinische und psychologische Betreuung erhalten. In erster Linie wird versucht, Kontakt mit den Herkunftsfamilien aufzunehmen und idealerweise können die Kinder wieder in die Familie integriert werden. Wenn dies nicht möglich ist, stehen den Kindern verschiedene Betreuungseinrichtungen zur Verfügung. (Informationen: Sandra Jetzinger, Tel.: 879.07.07/21 oder 0664/827.07.93, E-Mail: presse@jugendeinewelt.at, Internet: www.jugendeinewelt.at; Spenden: Kto. Nr. PSK 92.083.767, BLZ 60.000, Kennwort: Indien).