"Einschneidende Veränderungen" bei den Orden
Wien, 28.12.06 (KAP) Auf "einschneidende Veränderungen" bei den Ordensgemeinschaften blickt der scheidende Wiener Bischofsvikar für die Orden, P. Alois Kraxner, nach zehnjähriger Tätigkeit in diesem Arbeitsfeld zurück: Wegen des Nachwuchsmangels in vielen Gemeinschaften sei die Führung der ordenseigenen Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime vielfach an Laien übertragen bzw. von anderen Trägerschaften übernommen worden. Es sei aber gelungen, "dass die Spiritualität der jeweiligen Gemeinschaft trotzdem weiter wirksam bleibt", sagte Kraxner in einem Interview in der jüngsten Ausgabe von "miteinander", der Zeitschrift des "Canisiuswerks". Die Orden würden großen Wert auf die geistige Formung der neuen Führungskräfte legen.
Eine weitere Veränderung habe sich durch eine Reihe neuer oder auch Zweige älterer Gemeinschaften ergeben, die sich im vergangenen Jahrzehnt im Bereich der Erzdiözese Wien niederließen. Diese Gemeinschaften seien in den etablierten Zusammenschlüssen "Vereinigung der Frauenorden" bzw. "Superiorenkonferenz der Männerorden" unterschiedlich präsent, jedenfalls aber als Gäste eingeladen, so Kraxner. Manche dieser Gemeinschaften hätten noch nicht ihren endgültigen kirchenrechtlichen Status gefunden. Kraxner: "Sie sind noch auf der Suche nach einer Struktur, nach der Gestaltung ihrer spirituellen Ausrichtung".
Eine neue Entwicklung ortet der Redemptoristenpater auch im Bereich des Eintrittsalters in die Ordensgemeinschaften. Bei vielen falle der Entschluss für ein Ordensleben erst im Alter zwischen 30 und 40 Jahren - nach dem Studium oder dem Berufseinstieg. Kraxner sieht darin Vor- und auch Nachteile: Ältere hätten bereits prägende Lebenserfahrungen hinter sich und fügten sich meist schwerer in eine bestehende Gemeinschaft ein als noch "formbare" Junge; diese hätten mehr Elan, aber auch mehr Unbeständigkeit.