"Sternsinger": Neue Regierung soll gegen Armut vorgehen
Wien, 28.12.06 (KAP) Die 90.000 Mädchen und Buben, die derzeit als "Sternsinger" unterwegs sind und dabei für mehr weltweite Gerechtigkeit eintreten, fordern dies "auch von den politischen Verantwortlichen ein": Die "Dreikönigsaktion" der Katholischen Jungschar appellierte am Donnerstag an die Koalitions-Verhandler von SPÖ und ÖVP, im Regierungsabkommen einen Stufenplan zum Ausbau der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) zu verankern. Zusätzliche 200 Millionen Euro pro Jahr seien notwendig, um bis 2015 die 1970 versprochene Schwelle von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erreichen, konkretisierte Jungschar-Vorsitzende Silvia Schüller in einer Aussendung den Wunsch nach mehr Solidarität mit den Menschen im "Süden". Gleichzeitig brauche es aber auch mehr Koordination zwischen Außenpolitik, Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik mit dem Bereich Entwicklungspolitik, "sodaß Maßnahmen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit nicht durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik auf Kosten der Armen wieder zunichte gemacht werden". Als eines der reichsten Länder der Welt müsse sich Österreich dieser "globalen Verantwortung" stellen, so die "Dreikönigsaktion".
Ausbeutung und Unterdrückung seien die Folgen des herrschenden ungerechten Weltwirtschaftsystems: Während die Reichen immer reicher werden, seien die Armen mit "dramatischen Konsequenzen" konfrontiert. In vielen Regionen würden die Menschen durch Vertreibung, Ausbeutung und Umweltzerstörung "ihrer Lebensgrundlagen beraubt".
Die Überwindung extremer Armut sei Grundvoraussetzung der Etablierung gerechterer globaler Wirtschaftsstrukturen. Mit 40 Milliarden Euro pro Jahr - diese Summe entspricht laut der "Dreikönigsaktion" etwa 0,7 Prozent des weltweiten Bruttonationaleinkommens (BNE) - könnte der Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitswesen, Ernährung, Trinkwasserversorgung für alle Menschen sicher gestellt werden.
Diese 0,7 Prozent des BNE zur Beseitigung der schlimmsten Folgen der weltweiten Armut seien "nicht unbedingt ein großer Brocken, nichts was die reichen Länder dieser Welt zu nachhaltigen Einsparungen zwingen würde", heißt es weiter. "Umso enttäuschender" sei es, dass bisher nur fünf Länder weltweit dieses Ziel erreicht haben. Österreich sei nicht darunter, obwohl dies bereits vor 36 Jahren versprochen wurde. Zuletzt wurde dieses Ziel für 2015 angepeilt. "Und auch da ist Skepsis angebracht, denn: frisches Geld für die EZA ist in den vergangenen Jahren nur spärlich geflossen", so die "Dreikönigsaktion".
Die Sternsinger überbringen ihre Wünsche nach mehr Entwicklungszusammenarbeit den Spitzen der österreichischen Politik bei Besuchen in den nächsten Tagen auch persönlich, heißt es abschließend. Bundespräsident Heinz Fischer empfängt die Sternsinger in der Wiener Hofburg am Freitag, der Zweite Nationalratspräsident Michael Spindelegger (ÖVP) am 4. Jänner 2007, Grün-Bundessprecher Alexander Van der Bellen und die Entwicklungspolitik-Sprecherin der SPÖ, Petra Bayr am 8. Jänner.