Vizekanzler: Papst gut über Österreich informiert
Papst Benedikt XVI. hat Außenminister Michael Spindelegger im Vatikan zu einem Gespräch empfangen. Spindelegger setzt sich für den Schutz verfolgter Christen ein
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Papst Benedikt XVI. hat Außenminister Michael Spindelegger im Vatikan zu einem Gespräch empfangen. Die Begegnung fand im Anschluss an die Generalaudienz am Mittwoch statt. An dem Treffen nahm auch die Gattin des Außenministers und ÖVP-Politikers teil. Wie das Außenministerium und die Österreichische Botschaft beim Heiligen Stuhl vorab mitteilten, sollten Fragen der Religionsfreiheit und des angestrebten Menschenrechtsdialogs zwischen EU und den Religionsgemeinschaften im Mittelpunkt stehen.
Der Vatikan gab zunächst keine Einzelheiten zu der Unterredung bekannt. Spindelegger wollte sich darüber am Nachmittag vor Journalisten äußern. Im weiteren Verlauf standen auch ein Besuch der archäologischen Ausgrabungen unter dem Petersdom und ein Gespräch des Außenministers mit seinem vatikanischen Amtskollegen Erzbischof Dominique Mamberti auf dem Programm.
Spindelegger setzt sich ebenso wie Italiens Außenminister Franco Frattini in Brüssel für ein verstärktes Engagement der EU für verfolgte Christen und religiöse Minderheiten ein. In einer am Dienstag veröffentlichten Aussendung sprach der österreichische Außenminister in diesem Zusammenhang die dramatische Situation in Nigeria an, wo Islamisten zuletzt die christlichen Dörfer Dabwak und Tatu im Bundesstaat Plateau State angegriffen und Massaker angerichtet hatten.
Für engere Kooperation zwischen EU und Vatikan
In einem Pressegespräch nach der Audienz sagte der Vizekanzler, Österreich strebe eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und der EU zum weltweiten Schutz von Christen vor Diskriminierung und Gewalt an. "Ich habe angeregt, dass es künftig einen stärkeren Konnex zwischen der EU und dem Vatikan geben könne", sagte Spindelegger. Weitere Themen der knapp viertelstündigen Unterredung im Anschluss an die Generalaudienz waren nach Angaben Spindeleggers die Lage der Kirche in Österreich, der "Arabische Frühling" sowie die österreichische Außenpolitik und die ÖVP.
Der Vatikan besitze detailliertere Erkenntnisse über die jeweilige Situation der Christengemeinden vor Ort als die EU, hob Spindelegger hervor. Für den jährlichen Bericht des Auswärtigen Dienstes der EU über die Lage der Religionsfreiheit in der Welt, für den sich Österreich und Italien gemeinsam einsetzten, sei der Vatikan daher eine "aufschlussreiche Informationsquelle". Der Papst habe sich an dieser Initiative sehr interessiert gezeigt und schätze das Engagement Österreichs und Italiens auf diesem Feld.
Pfarrer-Initiative angesprochen
Auf die Situation der Kirche in Österreich habe ihn der Papst von sich aus angesprochen, sagte Spindelegger. Man habe auch über die Pfarrer-Initiative gesprochen. Details wollte Spindelegger nicht nennen. "Ich habe meine Einschätzung als österreichischer Katholik wiedergegeben und der Papst seine als Oberhaupt der katholischen Kirche", sagte der Spindelegger. Benedikt XVI. sei sehr gut über die österreichischen Verhältnisse informiert gewesen.
Mit Blick auf die politischen Umwälzungen in der arabischen Welt und ihre Auswirkungen auf den interreligiösen Dialog habe der Papst seine Sorge geteilt, dass die Ereignisse möglicherweise zu einer stärkeren religiösen Radikalisierung führen könnten, sagte Spindelegger. Der Außenminister bezweifelte, "ob man wirklich nur von positiven Zeichen sprechen kann". Er bekräftigte jedoch zugleich, dass der Dialog der Religionen auch weiterhin ein wichtiges Element sei.
Auch betonte Spindelegger, dass in Österreich Christen keiner Diskriminierung augesetzt seien. Die Beobachtung, dass es auch in westlichen Ländern in wachsendem Umfang zu Anfeindungen gegenüber Christen komme, könne er für Österreich nicht teilen, sagte er. Gegenwärtig gebe es keine Anzeichen dafür, dass solche Anfeindungen über Einzelfälle hinaus ein "wirklich bedenkliches" Ausmaß annähmen.
Diskriminierung und Herabwürdigung seien in Österreich "eher ein persönliches Thema", so Spindelegger. Der Außenminister äußerte sich aber besorgt über eine allgemeine Tendenz, anderen "in völlig respektlosem Ton zu begegnen" und die Würde der Mitmenschen nicht anzuerkennen. Dieses Phänomen bereite ihm auch für Österreich Sorgen.
Der Außenminister verwies auch auf eine lange Tradition des interreligiösen Dialogs in seinem Land. Als Beispiel nannte er die islamische Gemeinde, die schon 1912, vor fast 100 Jahren, offiziell anerkannt worden sei. In Österreich gebe es gegenwärtig einen "guten Dialog" mit der muslimischen Gemeinde.
Spindelegger berichtete dem Papst nach eigenen Angaben zudem über die gegenwärtigen Schwerpunkte der österreichischen Außenpolitik, insbesondere die "Donauraumstrategie", die eine enge Zusammenarbeit mit den Staaten bis hin zum Schwarzen Meer vorsieht.
Weiteres Thema war die Österreichische Volkspartei, deren Obmann Spindelegger seit drei Monaten ist. Er - Spindelegger - habe die auch künftige "christliche Verankerung" der Partei hervorgehoben. Und er habe den Papst insbesondere über die gegenwärtige familienpolitische Debatte in Kenntnis gesetzt.
Am Mittwochnachmittag führte Österreichs Außenminister ein Gespräch mit seinem vatikanischen Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti.