Piusbrüder: Vatikan will Zustimmung zu Glaubenssätzen
Die Akzeptanz einer noch geheimen "Lehrmäßigen Erklärung" ist Bedingung für Gespräche über rechtliche und strukturelle Aspekte einer Wiederaufnahme in die katholische Kirche
Image (img2) invalid or missing |
|
Der Vatikan hat der lefebvrianischen Piusbruderschaft eine bis dato noch geheim gehaltene "Lehrmäßige Erklärung" über grundlegende Glaubenslehren der katholischen Kirche zur Unterzeichung vorgelegt. Die seit 1988 abgespaltene und von Rom nicht anerkannte Priesterbruderschaft müsse nun prüfen, ob sie diesen Text akzeptiere, hieß es am Mittwoch nach einem Treffen des Lefebvrianer-Oberen Bernard Fellay mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, im Vatikan. Stimme die Priesterbruderschaft der Erklärung zu, könne es zum Ende des Schismas kommen.
Die lehrmäßige Erklärung - sie soll Meldungen zufolge nur zwei Seiten lang sein - enthalte "einige Lehrprinzipien und Interpretationskriterien der katholischen Lehre auf Kriterien, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche und das 'sentire cum Ecclesia' ('Fühlen mit der Kirche') zu garantieren", wie der Vatikan per Kommunique mitteilte. Die Erklärung lasse - heißt es weiter - "eine legitime Diskussion über die Überprüfung und die theologische Deutung einzelner Ausdrücke und Formulierungen zu, die sich in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden Lehramtes finden". Unmittelbar nach der Zustimmung durch die Piusbrüder könnten demnach Gespräche über die rechtlichen und strukturellen Aspekte einer Wiederaufnahme der Lefebvrianer in die katholische Kirche aufgenommen werden.
Bei der Zusammenkunft seien einige Elemente in Hinblick auf eine kanonische Lösung für die Priesterbruderschaft vorgeschlagen worden, heißt es in der Vatikanerklärung weiter. Welche Lösung das bedeuten könnte, blieb am Mittwoch aber offen. Beobachter hielten zuletzt die Form einer Personalprälatur nach dem Modell des Opus Dei oder die Errichtung eines Ordinariats, wie es seit Jahresbeginn für ehemalige Anglikaner besteht, für möglich.
An dem Treffen im Vatikan nahmen neben Kardinal Levada der Sekretär der vatikanischen Kurien-Kommission "Ecclesia Dei", Msgr. Guido Pozzo, sowie der "zweite Mann" der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, teil. Fellay wurde von zwei Mitarbeitern, Niklaus Pfluger und Alain-Marc Nely, begleitet.
Vorangegangen war eine eineinhalbjährige Dialogrunde mit Theologen-Fachgesprächen zwischen der Kommission "Ecclesia Dei" und den Piusbrüdern. Im Mittelpunkt standen dabei die Geltung des päpstlichen Lehramtes und die Verbindlichkeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) samt seinen Aussagen zu Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiösem Dialog.
Vatikanisten, darunter der renommierte Korrespondent von "Le Figaro", Jean-Marie Guenois, hatten bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es am Mittwoch noch keine Sensationen zu berichten geben werde. Der Vatikan werde den Lefebvrianern zwar mittels des Kurz-Papiers, das bloß die zentralen Punkte der katholischen Lehre enthalte, eine Brücke bauen. Eine konkrete Einigungszustimmung durch Fellay müsse aber erst erfolgen.
Im Kommunique, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, heißt es wörtlich deshalb auch nur: "Unter Berücksichtigung der Sorgen und Gesuche, die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. zum Schutz der Unversehrtheit des katholischen Glaubens angesichts der 'Hermeneutik des Bruches' des Zweiten Vatikanischen Konzils gegenüber der Tradition vorgebracht wurden, von der Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache vor der Römischen Kurie gesprochen hat (22. Dezember 2005), sieht die Kongregation für die Glaubenslehre als fundamentale Grundlage für den Weg zu einer vollständigen Versöhnung mit dem Apostolischen Stuhl die Akzeptierung des Textes der lehrmäßigen Erklärung, die während der Zusammenkunft vom 14. September 2011 übergeben wurde. Diese lehrmäßige Erklärung zählt einige Lehrprinzipien und Interpretationskriterien der katholischen Lehre auf, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche und das 'Sentire cum Ecclesia' ('Fühlen mit der Kirche') zu garantieren. Zugleich lässt sie eine legitime Diskussion über die Überprüfung und die theologische Deutung einzelner Ausdrücke und Formulierungen zu, die sich in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden Lehramtes finden."