Pfarrerinitiative: Schönborn setzt auf Gespräche
Der Wiener Erzbischof sagte im ZIB 2-Interview, er sei "durchaus offen dafür", sich die von der Pfarrer-Initiative vorgebrachten Punkte anzuschauen. Das Gebet um Reformen stelle ein gemeinsames Anliegen dar
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Kardinal Christoph Schönborn setzt in der Debatte um Reformen in der katholischen Kirche auf Gespräche und das Miteinander - insbesondere mit den Mitgliedern der Pfarrer-Initiative. "Ich hoffe und vertraue auf die Brücke des Gesprächs, das hat immer noch am besten funktioniert. Durchs Reden kommen die Leute zusammen", sagte der Wiener Erzbischof am Freitagabend in der ORF-Sendung "Zeit im Bild 2".
Er sei "durchaus offen dafür", sich die von der Pfarrer-Initiative vorgebrachten Punkte anzuschauen. Das gemeinsame Gebet um Reformen in der Kirche stelle ein gemeinsames Anliegen dar. "Wir haben auch ein sehr entschiedenes Reformkonzept", verwies der Kardinal auf den seit drei Jahren in der Erzdiözese Wien laufenden Reformprozess "Apostelgeschichte 2010".
Die große Frage sei, welche Reformen "wirklich notwendig" und welche "zielführend" seien, sagte Schönborn: "Da gibt es zweifellos große Unterschiede, und zwar nicht nur zwischen Rom und den Bischöfen einerseits und der Pfarrer-Initiative, sondern auch im Volk Gottes selbst und unter den Priestern." Die römisch-katholische Kirche müsse ihren Weg der Reform mit dem Papst gehen, betonte der Kardinal.
Schönborn kündigte für den Herbst ein weiteres Gespräch mit dem Vorstand der Pfarrer-Initiative an. "Dann sieht man, wie die nächsten Schritte weiter gehen." Aktuell gebe es aber keinen Grund für Konsequenzen: "Wenn es zu Handlungen kommt, die wirklich der katholischen Glaubenslehre deutlich widersprechen, dann kann es zu ernsten Konflikten kommen. Ich glaube aber nicht, dass wir so weit sind", unterstrich der Wiener Erzbischof.
"Zölibat war Lebensform Jesu"
Forderungen nach einer Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt werde er nicht unterstützen. "Jeder kann nach Rom schreiben, aber ich werde mich ganz entschieden und aus tiefster Überzeugung weiterhin für den zölibatären Weg des römisch-katholischen Priesters einsetzen", so Schönborn. Der Zölibat sei die Lebensform Jesu gewesen, argumentierte der Erzbischof. "Jesus hat bewusst und klar den Weg der Ehelosigkeit gewählt. Ich selbst habe den Weg freiwillig so gewählt und alle, die heute in der katholischen Kirche Priester werden, wählen es freiwillig."
In der Frage des Umgangs mit Geschiedenen Wiederverheirateten in der katholischen Kirche seien vor allem die Priester vor Ort gefragt. Die Kirche könne die klare Worte Jesu von der Unauflöslichkeit der Ehe nicht aufheben ("Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen"), betonte Kardinal Schönborn. Es gebe aber Wege, mit Situationen des Scheiterns umzugehen. "Dafür gibt es keine plakative Regel, aber sehr ganz persönliche Wege des seelsorglichen Umgehens mit solchen Situationen." Priester müssten in diesem Sinn ihre seelsorglichen Verantwortung selber wahrnehmen, sagte der Kardinal: "Aber immer unter dem Vorzeichen: der Schutz der Ehe ist ein so hohes Gut, dass die Schwelle dieses Gutes nicht zu leicht niedergerissen werden darf."