"Mit Abtreibungen lässt sich offensichtlich Geld verdienen"
Wien, 9.1.07 (KAP) Mit Sorge blickt die "Aktion Leben" auf die anstehende Eröffnung des "sexualmedizinischen Zentrums" im Gebäude der Wiener "Lugner City". "Mit Abtreibungen lässt sich offensichtlich Geld verdienen", heißt es in einer Stellungnahme der "Aktion Leben". Wo immer heute Schwangerschaftsabbrüche angeboten werden, zeuge dies vor allem von einem akuten Mangel an nicht flächendeckend ausgebauten Beratungsangeboten für Schwangere, so die "Aktion Leben". Schwangerschaftsabbrüche seien "häufig einfacher zu bekommen als Hilfe, die ausreicht, um mit dem Kind leben zu können". Heute wisse "jede und jeder, wo Abtreibungen gemacht werden", Beratungseinrichtungen hingegen seien "viel weniger bekannt". Dies wecke bei den Menschen den Eindruck, dass die einzige Möglichkeit, einer ungeplanten Schwangerschaft zu begegnen, ein Abbruch sei.
Mit Nachdruck verweist die "Aktion Leben" darauf, dass es an finanziellen Mitteln für eine ausreichende Beratungstätigkeit mangle, obwohl bei Einführung der Fristenregelung 1975 "flankierende Maßnahmen" versprochen wurden. Während Abtreibungskliniken über genügend Geldmittel für Werbung verfügen, sei die Finanzierung der Hilfseinrichtungen nicht zuletzt auf Grund einer erneuten Kürzung der öffentlichen Mittel "sehr, sehr schwierig".
Skeptisch äußerte sich die "Aktion Leben" auch hinsichtlich der angekündigten "Beratungstätigkeit" des neuen Zentrums in der "Lugner City". So sei die Verknüpfung von Beratung und praktischer Hilfe, wie sie von professionellen und seriösen Beratungsstellen angeboten wird, in dem neuen Zentrum "sicher nicht gewährleistet". Wo Schwangerschaftsabbrüche ausdrücklich in den Angebotskatalog eines Zentrums oder einer Klinik aufgenommen würden, verfolge man damit "ein wirtschaftliches Interesse". So sei es kaum anzunehmen, dass eine solches Zentrum wie jenes in der "Lugner City" mit dem gleichen Engagement auf eine unabhängige Beratungsstelle verweist und der betroffenen Frau einen Überlegungsspielraum nahe legt.
Das in der "Lugner City" eingemietete "Zentrum für Sexualmedizin" konzentriere sich, so Wolfgang Grin, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe bei "Venus-Med", auf die "Abklärung sexueller Störungen". Auf der Website des Zentrums findet sich jedoch darüber hinaus auch das Angebot von Schwangerschaftsabbrüchen. Voraussetzung sei ein "umfassendes Gespräch mit einer diplomierten Psychotherapeutin oder Psychologin", heißt es auf der Website.
Strafandrohung wegen Rufschädigung
Ausdrücklich gegen "Venus-Med" ausgesprochen haben sich auch die "Lebensbewegung" (hervorgegangen aus der Aktionsplattform "Geborene für Ungeborene") sowie "Jugend für das Leben". Auf Protestschreiben gegen die anstehende Eröffnung sei mit einem einheitlich formulierten "Brief einer Rechtsanwaltskanzlei, der einschüchtern und mundtot machen soll" geantwortet worden, heißt es in einer Presseaussendung der "Jugend für das Leben". Der Brief enthalte eine Strafandrohung wegen Rufschädigung und gebietet den Kritikern, die Anschuldigung zu unterlassen, dass "Venus-Med" "illegale und widerrechtliche Schwangerschaftsabbrüche vornimmt und Menschen tötet".
Unter Verweis auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofes von 2003 stellt "Jugend für das Leben" jedoch klar, dass ein von Seiten des Zentrums angedrohtes zivil- oder strafrechtliches Verfahren wegen Rufschädigung wohl keine Aussicht auf Erfolg haben dürfte, da in diesem Urteil festgehalten wurde, dass niemand an seiner freien Meinungsäußerung gehindert werden dürfe, der "auch mit einem drastischen Wort die herrschende, auf Grund der geltenden Gesetze geübte Praxis der Schwangerschaftsabbrüche kritisiert und für einen weitergehenden Schutz werdenden menschlichen Lebens streitet".