"Studiengebühren-Jobs": Kritik von Seiten der Medizin
Die Kritik am Vorschlag der Regierungskoalition, die Studiengebühren durch soziale Arbeit bis hinein in den Bereich der Sterbebegleitung abzugelten, reißt nicht ab. So äußerte sich am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in der Palliativstation St. Raphael im Wiener Krankenhaus "Göttlicher Heiland" Primarius Michael Preitschopf skeptisch, dass die "Lebenserfahrung der jungen Menschen ausreicht, um sich in diese heikle Situation der Begleitung Sterbender oder Todkranker hineinzufinden".
In dieser Situation, in der "jedes Wort zählt", könne zwar nicht auf die Arbeit ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichtet werden, doch handle es sich dabei stets um geschultes Personal, so Preitschopf: "Dass man junge und entsprechend eben nicht geschulte Menschen in dieses sensible Gebiet entlässt, kann ich mir absolut nicht vorstellen".
Zustimmung fand die Kritik Preitschopfs bei der Pressekonferenz auch beim Zweiten Nationalratspräsident Michael Spindelegger (ÖVP). So halte er es für "unglücklich", dass bei den Vorschlägen zum Einsatz der Studenten auch der Bereich der Intensivmedizin genannt wurde, "obwohl ja der Bereich der Freiwilligenarbeit in Österreich viel größer ist", so Spindelegger. Der Fokus müsse daher vielmehr auf Einrichtungen wie etwa Freiwillige Feuerwehr oder Rotes Kreuz als mögliche Einsatzorte für Studenten gelegt werden.
Die Palliativstation St. Raphael im Wiener Ordensspital "Göttlicher Heiland" wurde 1992 als erste Palliativstation Österreichs gegründet. In der 10 Betten umfassenden Station werden laut Preitschopf jährlich rund 200 Patienten, 99 Prozent davon Karzinompatienten im Endstadium, betreut. Das Personal umfasst etwa 50 Personen, darunter drei Ärzte, 14 Pfleger und 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben der medizinischen und sozialen Betreuung stelle auch die seelsorgliche Betreuung einen besonderen Schwerpunkt der Palliativstation dar, so Preitschopf: "Es ist nicht nur der körperliche Schmerz, den man behandeln muss, sondern auch der psychische und spirituelle Schmerz". Hierzu stehe ein eigenes Seelsorgeteam zur Verfügung.