"Ökumene ist Frage des Überlebens der Christen"
Salzburger Ökumene-Experte Winkler zum Beginn des 3. "Colloquium Syriacum" in Wien: "Christen müssen mit einer Stimme sprechen" - Hochrangige "Pro Oriente"-Tagung bis Freitag in Wien
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Wien, 09.11.11 (KAP) Wenn das Christentum im Nahen Osten eine Zukunft haben will, muss es lernen, mit einer Stimme zu sprechen. "Die Ökumene der Kirchen im Nahen Osten ist eine Frage des Überlebens der Christen in dieser Region": Auf diesen Nenner brachte der Salzburger Nahost-Kirchenexperte Prof. Dietmar Winkler das Problem, mit dem sich in den nächsten drei Tagen hochrangige christliche Vertreter des gesamten Nahen Ostens in Wien befassen werden.
Bereits zum dritten Mal hat die Stiftung "Pro Oriente" zum "Colloquium Syriacum" geladen - diesmal zur Frage der neuen Herausforderungen für die Christen im Nahen Osten nach der Nahost-Synode, aber vor allem auch im Horizont des "Arabischen Frühlings". Beide Themen - die Nacharbeit zur Nahost-Synode und die Frage nach der christlichen Einschätzung der Umbrüche in der arabischen Welt - gehörten letztlich zusammen, insofern die Nahost-Synode zu einer intensiveren Kooperation der Christen im Nahen Osten aufgefordert habe; diese wiederum sei dringend nötig, um angesichts der Umbrüche in der arabischen Welt und der vielerorts bedrohlichen Situation für die Christen laut und deutlich mit einer Stimme zu sprechen, so Winkler.
Gerade diese ökumenische Einigkeit sei jedoch alles andere als selbstverständlich, so Winkler im Gespräch mit "Kathpress" zu Beginn der Tagung. So sei der Nahost-Kirchenrat ("Middle East Council of Churches") derzeit durch interne Streitigkeiten "paralysiert", auch sonst sei die ökumenische Zusammenarbeit noch eher die Ausnahme, so Winkler unter Verweis etwa auf die irakischen Christen, die - gleichwohl alle unter schwierigsten Bedingungen leidend - nicht in der Lage seien, mit einer Stimme zu sprechen, um so in ihrer Situation auch international stärker wahrgenommen zu werden.
"Post-Spring-Stategy" notwendig
"Pro Oriente" übernehme in der gegenwärtigen Situation die Funktion, den Kirchenführern ein Forum zu bieten, um die bestehenden Probleme anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Beim heurigen "Colloquium Syriacum" geschehe dies in vier Themenkreisen: der Erörterung des Staat-Kirche-Verhältnisses in den Ländern des Nahen Ostens, der Erörterung des christlich-jüdischen Verhältnisses, der Erörterung des christlich-muslimischen Verhältnisses sowie der Bilanzierung der Kooperation ein Jahr nach der Nahost-Synode im Vatikan.
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Prof. Dietmar Winkler
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Dem "arabischen Frühling" begegneten die meisten Christen im Nahen Osten eher mit Sorgen denn mit Hoffnungen, so Winkler weiter. So überwiege die Angst vor einem Verlust an Stabilität und Sicherheit, selbst wenn diese um den Preis eines autoritären Regimes erkauft sei. Es brauche dringend eine vom Westen unterstützte "Post-Spring-Strategy", d.h. eine externe Unterstützung bei den Reformprozessen.
Am "Colloquium Syriacum" nehmen Vertreter aller Kirchen der syrischen Tradition teil, an der Spitze der im Libanon residierende syrisch-katholische Patriarch von Antiochien, Ignatios Youssif III., der auch Präsident der Nahost-Synode war. Außerdem beteiligen führende Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus Österreich, Großbritannien, den USA, Israel und den Niederlanden.
"Pro Oriente"-Präsident Hans Marte betrachtet es als eine der großen Errungenschaften der Stiftung, dass sie ab 1994 dem Dialog der seit vielen Jahrhunderten getrennten Kirchen der syrischen Tradition wesentliche Impulse gegeben hat. Zunächst geschah das bis 2005 im Rahmen des "Syriac Dialogue", seither durch das "Forum Syriacum", das nun bereits das 3. "Colloquium Syriacum" veranstaltet.
Vor wenigen Tagen ist die Dokumentation des 1. "Colloquium Syriacum" erschienen, das dem Thema "Syriac Churches Encountering Islam. Past Experiences and Future Perspectives" (Die Begegnung der Kirchen der syrischen Tradition mit dem Islam. Erfahrungen der Vergangenheit und Perspektiven der Zukunft) gewidmet war.
Weitere Informationen: www.pro-oriente.at