Nahost: "Tiefe Sorge" über Situation der Christen
Kardinal erinnert in Grußwort an die Teilnehmer des 3. "Colloquium Syriacum" der Stiftung "Pro Oriente" an die Bedeutung der Kirchen der syrischen Tradition
Image (img2) invalid or missing |
|
Wien, 09.11.2011 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat seine Sorge über die Situation der orientalischen Christen betont. In einem von "Pro Oriente"-Präsident Hans Marte verlesenen Grußwort an die Teilnehmer des 3. "Colloquium Syriacum", das ab heute in Wien stattfindet, stellt Schönborn fest, dass ihn die "laufenden Ereignisse" in den Heimatländern der Kirchen der syrischen Tradition "mit tiefer Sorge" erfüllen. Mit vielen anderen Christen in Europa und in aller Welt stelle er sich die Frage, ob der "Arabische Frühling" wirklich das bringen wird, was viele Beobachter erwarten: "Freiheit, insbesondere volle Religionsfreiheit für alle, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Respekt vor den Minoritäten".
Es sei ihm ein Herzensanliegen, so der Wiener Erzbischof, dass der Christenheit wieder stärker bewusst wird, wo ihre Wurzeln liegen: im Nahen und Mittleren Osten. Die altsyrischen Kirchen repräsentierten die "ungebrochene Tradition des frühen Christentums". Wörtlich stellte der Kardinal in diesem Zusammenhang fest: "Es ist von entscheidender Wichtigkeit, dass diese Kirchen in ihren ursprünglichen Heimatgebieten wieder den Raum zur freien Entfaltung erlangen." Das sei nicht nur für die Christenheit als ganze von höchster Bedeutung, es sei auch eine vitale Notwendigkeit, um dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu erreichen.
Von heute an beraten hochrangige Kirchenführer aus allen Kirchen des Nahen und Mittleren Ostens beim dritten, von "Pro Oriente" ausgerichteten "Colloquium Syriacum" in Wien über die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen für die Christenheit in ihren jeweiligen Ländern. Die Tagung versteht sich gleichermaßen als erster Schritt zur Rezeption der im Vorjahr in Rom abgehaltenen großen Nahost-Synode und als Forum zum Austausch über Möglichkeiten ökumenischer Zusammenarbeit zwischen den Kirchen. In jüngster Zeit sehe er "erfreuliche Anzeichen einer neuen Zusammenarbeit, eines gemeinsamen Zeugnisses in einer oft gleichgültigen oder gar feindseligen Umwelt", so Kardinal Schönborn.
Die meisten Kirchen der syrischen Tradition, die eine wichtige Wurzel heutiger christlicher Theologie, Liturgie und Spiritualität darstelle, lebten auf Grund der historischen Entwicklung in einem islamisch geprägten Umfeld, das sei auch heute so, erinnerte Kardinal Schönborn. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Zusammenleben von Christen und Muslimen aber auch in der westlichen Welt zu einem Zentralthema geworden. "Wir sollten von den jahrhundertelangen Erfahrungen der Kirchen der syrischen Tradition in diesem Bereich lernen", so der Wiener Erzbischof.
Kardinal Schönborn verwies in diesem Zusammenhang auf die soeben erschienene Dokumentation des 1. "Colloquium Syriacum" zum Thema "Die Begegnung der Kirchen der syrischen Tradition mit dem Islam. Erfahrungen der Vergangenheit und Perspektiven der Zukunft". Der vom Salzburger Kirchenhistoriker und Nahostexperten Prof. Dietmar Winkler herausgegebene Band sei eine "Pflichtlektüre für alle, die sich am gesellschaftlichen Diskurs über das Zusammenleben von Christen und Muslimen beteiligen wollen".
Weitere Informationen: www.pro-oriente.at
» Tipp