Orden wollen spiritueller und politischer werden
Vorsitzender der Männerorden, Propst Fürnsinn, und Vorsitzende der Frauenorden, Sr. Fürst, im "Kathpress"-Gespräch über künftige vordringliche Ordensaufgaben
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Wien, 23.11.11 (KAP) Ohne Orden würde Österreich in vielen Bereichen ärmer aussehen. Das hat Propst Maximilian Fürnsinn, der Vorsitzende der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, im "Kathpress"-Gespräch betont. Mehr als 50.000 Schüler, die eine Ordensschule besuchen oder die Tatsache, dass 20 Prozent der Spitalsleistungen in Österreich von Ordenskrankenhäusern erbracht werden, würden eine deutliche Sprache sprechen. Zudem seien die Orden auch in vielen kleinen Initiativen, etwa im Sozialbereich, Vorreiter.
Sorge würde ihm allerdings bereiten, dass die Männerorden immer noch zu sehr in der Pfarrseelsorge engagiert sind, sagte der Herzogenburger Propst. Zwischen 40 und 50 Prozent der Pfarren - je nach Diözese - werden von Ordenspriestern seelsorglich geleitet und betreut. Dieses Engagement müsse zurückgefahren werden, "sonst können wir unser eigenes Ordenscharisma nicht leben". Fürnsinn: "Das ist ein brennender Punkt, der in nächster Zeit einmal deutlich gemacht werden muss." Die Klöster müssten sich in Zukunft viel stärker als spirituelle Inseln und pastorale Zentren profilieren, um die sich neue Formen von Gemeinschaften bilden würden.
Sr. Kunigunde Fürst, die Vorsitzende der Vereinigung der Frauenorden Österreichs (VFÖ), hob im "Kathpress"-Gespräch u. a. den Bildungsauftrag der Orden hervor. Die Ordensschulen stünden nicht für ein elitäres Publikum, wohl aber für einen elitären Anspruch an Erziehung und Bildung.
Orden sollten künftig auch "politischer" werden, so Fürst weiter. Sie ist Generaloberin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck und verwies auf die Initiative "Wege aus der Krise": Die Franziskanerinnen unterstützten kürzlich mit vielen anderen Organisationen eine Resolution, in der die Regierung zu einer ausreichenden Finanzierung der Gemeinden aufgefordert wird, damit diese ihren kommunalen Grundversorgungsauftrag erfüllen können. Auch an einer Demonstration in Vöcklabruck unter dem Motto "Überfluss besteuern. In die Zukunft investieren" nahmen die Franziskanerinnen teil. Fürst: "Es lässt uns nicht kalt, was in der Welt passiert."
Auf ein neues Projekt der Orden im Zentrum von Wien wies die Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden, Sr. Cordis Feuerstein, hin: Die heimischen Männer- und Frauenorden eröffnen gemeinsam mit dem Canisiuswerk am 2. Februar 2012 (dem kirchlichen "Tag des geweihten Lebens") am Stephansplatz 6 das neue Begegnungszentrum "Quo Vadis". Neben Information über geistliche und kirchliche Berufe soll es auch verschiedene Veranstaltungen geben, bei denen das Thema Berufung im Mittelpunkt steht.