Solidaritätsaktion für mehr Glaubensfreiheit für Christen
Aktionstag der Plattform "Solidarität mit verfolgten Christen" in Wien - Pro Oriente-Präsident Marte: "Ohne Religionsfreiheit kein interreligiöser Dialog möglich" - Fackelzug durch Wiener Innenstadt
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Gleiche Rechte und die vollständige Glaubens- und Gewissensfreiheit für verfolgte Christen in aller Welt haben Vertreter der österreichischen Plattform "Solidarität mit verfolgten Christen" eingemahnt. Ein Drittel der Weltbevölkerung genieße keine umfassende Religionsfreiheit, sagte der Präsident der Stiftung "Pro Oriente", Hans Marte, am Montag vor Journalisten aus Anlass eines "Aktionstags für verfolgte Christen" in Wien. Christen würden heute in 50 Staaten wegen ihrer Religion verfolgt; dies gehe "so gut wie immer auf das Konto totalitärer Regime oder von Fundamentalisten anderer Religionen".
Für Montagabend lud die 24 Organisationen umfassende Plattform zu einem Fackelzug durch die Wiener Innenstadt und einem ökumenischen Gottesdienst mit Weihbischof Franz Scharl und dem syrisch-orthodoxen Chorbischof Emmanuel Aydin in den Stephansdom ein. Beginn ist um 17 Uhr auf dem Platz vor der Staatsoper.
Der Aktionstag soll nach Angaben der Organisatoren die Öffentlichkeit auf die "eskalierende Verfolgung von Christen weltweit" aufmerksam machen und Politiker wie alle "Menschen guten Willens" dazu aufrufen, sich verstärkt für den Kampf gegen die "größte Christenverfolgung der Neuzeit" einzusetzen. "Wir wollen an diesem Tag gemeinsam auftreten, um gemeinsam das Recht der Christen auf die Freiheit ihres Glauben weltweit einzufordern - nicht nur in Worten, sondern auch auf der Straße in Taten", sagte Elmar Kuhn von der Menschenrechtsorganisation "Christian Solidarity International" (CSI).
Religionsfreiheit sei Voraussetzung für einen interreligiösen Dialog unter ebenbürtigen Partnern, ohne den große Überlebensfragen der Menschen wie Gerechtigkeit und Friede nicht zu lösen wären, betonte Pro Oriente-Präsident Marte. Er appellierte an Europas Politiker, die Verfolgung von Christen etwa in Ägypten, Sudan, Afghanistan, Pakistan oder dem Irak stärker als bisher zum Thema zu machen. "Europa ist mitschuld am Tod von Christen, weil es nicht entsprechend anprangert, was dort geschieht", so Marte.
"Unsere Aktionen richtet sich nicht gegen den Islam als Religion und schon gar nicht gegen friedfertige und gläubige Muslime", unterstrich der Pro Oriente-Präsident. Christen und Muslime verbinde etwa der Glaube an einen barmherzigen Gott. Marte rief aber in Österreich lebende Muslime dazu auf, "alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, dass Diskriminierung und Gewalt gegen Christen und deren Kirchen endlich aufhören und Friede zwischen den Religionen einkehre".
Die in zahlreichen Ländern wegen ihres Glaubens unterdrückten Christen forderten keine Privilegien, sondern den Respekt von menschlichen Grundfreiheiten, betonte Marte: "Wenn wir sie im Stich lassen, untergraben wir unsere eigenen Fundamente. Denn die Freiheit ist bekanntlich unteilbar."
Jeder zehnte Christ verfolgt
Insgesamt werde weltweit jeder zehnte Christ wegen seines Glaubens verfolgt, sagte Katharina Grieb von der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte" (IGFM) bei der Pressekonferenz zum "Aktionstag gegen die weltweite Christenverfolgung". Die Verfolgung könne dabei "klein sein" aber auch zum Tod führen, so Grieb. Sie verwies auf das Beispiel der geltenden Blasphemiegesetze in Pakistan, auf deren Basis immer wieder Christen unter fragwürdigen Umständen angeklagt werden.
Der Wiener Weihbischof Franz Scharl machte auf die bedrohte Lage von Katholiken in China aufmerksam. Scharl kritisierte etwa das Vorgehen des kommunistischen Regimes bei der Ernennung von Bischöfen und Verhaftungen von Priestern, die sich den staatlichen Autoritäten widersetzen. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und China seien "ziemlich am Boden", so der Weihbischof.
Keine Hoffnung auf eine gute Zukunft für die christlichen Kopten in Ägypten machte sich der koptische Journalist Victor Elkharat. "Was auf die Kopten zukommt, wird böse", sagte Elkharat angesichts der ersten offiziellen Resultate der Parlamentswahlen, die darauf hinweisen, dass sich islamistische Parteien künftig die Macht in dem Land aufteilen. Schon während der Amtszeit von Diktator Hosni Mubarak sei für die Christen in Ägypten ein "sibirischer Winter" ausgebrochen. Nach der Revolution habe sich die Situation durch Übergriffe auf Gläubige und die Zerstörung von Kirchen weiter verschärft.
Auch im Sudan kämen Christen immer stärker in Bedrängnis, erinnerte Elmar Kuhn von CSI-Österreich. Er berichtete von den andauernden Bombenangriffen der sudanesischen Armee in der Bergregion Süd-Kordofan an der Grenze zwischen dem Sudan und dem unabhängigen Südsudan. Mittlerweile seien Hunderttausende Menschen aus dem Norden in den Süden geflohen. Bei der Verfolgung von Christen im Sudan könne man zudem nicht nur von einem begrenzten, regionalen Phänomen an der Grenze sprechen, betonte Kuhn. "Es geht um ein den gesamten Norden des Sudan immer stärker in den Würgegriff nehmendes Systems der Unterdrückung und Ausschaltung kirchlicher und christlicher Einrichtungen."
Die rund eine Million im Sudan verbliebenen Christen lebten unter einem ständigen Verfolgungsdruck. Islamisten drohten öffentlich mit der Ermordung und Vertreibung von Christen, berichtete Kuhn, der ein Eingreifen der Politik forderte, "Diese Länder sind bettelarm trotz des Öls. Es ist unsere Wirtschaftshilfe, die das Überleben dieser Regime möglich macht", sagte Kuhn. Europa müsse seine Wirtschafthilfe an Fortschritte bei den Menschenrechten in den Empfängerländern binden."
Christen auch in Europa diskriminiert
Auch Martin Kugler vom in Wien ansässigen "Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians" forderte von EU-Politikern eine stärkere Thematisierung von Religionsfreiheit bei Verhandlungen mit Ländern, in denen Christen bedroht werden. Gleichzeitig müsse man aber auch die zunehmende Intoleranz gegen und Diskriminierung von Christen und ihrem Glauben in Europa selbst beachten. So gerate etwa das Recht auf freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Gewissensfreiheit für Gläubige durch EU-Gesetzgebung zunehmend unter Druck, sagte Kugler.