Gefängnisseelsorge für neue Initiativen
Wien, 15.1.07 (KAP) Jugendliche im Strafvollzug brauchen vor allem vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, und jede Initiative in diese Richtung ist aus Sicht der Gefängnisseelsorge zu begrüßen. Das sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Gefangenhaus-Seelsorger Österreichs, Christian Kuhn, am Montag im Gespräch mit "Kathpress". Kuhn bezog sich auf eine Äußerung der neuen Justizministerin Maria Berger, die in einem Interview von der Möglichkeit gesprochen hatte, wieder ein eigenes Jugendgericht samt Jugendstrafanstalt zu schaffen.
Berger hatte im Gespräch mit dem "Kurier" gesagt, die Schließung des Jugendgerichtshofs 2003 sei ein "sehr schmerzhafter" Einschnitt gewesen. "Ich muss mir erst anschauen, inwieweit es möglich ist, mit dem geplanten zweiten Wiener Landesgericht wieder ein spezifisches Angebot für Jugendliche zu schaffen", so die Justizministerin. Wenn man eine Entlastung der Gefängnisse anstrebe, müsse man auch darauf schauen, dass ein Häftling "nicht ein zweites Mal kommt".
Wenn mit dem geplanten zweiten Wiener Landesgericht neue positive Möglichkeiten für den Jugendstrafvollzug geschaffen werden, dann sei das zu begrüßen, so die Reaktion von Gefängnisseelsorger Kuhn. Seit 2003 die Jugendhaftanstalt in der Rüdengasse aufgelassen wurde, sind die jugendlichen Straftäter derzeit in der Justizanstalt Josefstadt untergebracht, in einem eigenen abgetrennten Bereich, wie Kuhn festhielt. Vor- und Nachteile von Josefstadt und Rüdengasse würden sich die Waage halten. Die Räume seien in der Josefstadt moderner als in der früheren Haftanstalt, dafür gebe es insgesamt weniger Platz.
Am wichtigsten für einen positiven Jugendstrafvollzug seien, wie Kuhn betonte, vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, etwa in Form von Lehrwerkstätten. In diesem Sinne sei jede Initiative, die den Jugendlichen mehr Beschäftigung ermöglicht, auf jeden Fall zu begrüßen.