"Aktion Leben"-Chefin präsentiert Ziele
Wien, 17.1.06 (KAP) "Für mich sind die Themen der 'Aktion Leben' die Zukunftsthemen schlechthin": Dies betonte die neue Generalsekretärin der "Aktion Leben", Karin Schmidtbauer, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. Karin Schmidtbauer hat am 1. Jänner - als Nachfolgerin von Gertraude Steindl - ihr Amt übernommen. Wörtlich sagte die Sozialarbeiterin, Heilpädagogin und ausgebildete Sozialmanagerin, die bisher Landesleiterin von "Rettet das Kind"/Burgenland war: "Alle Eltern und Großeltern wollen, dass ihre Kinder und Enkelkinder einen guten Start ins Leben haben, und jeder Mensch wünscht sich ein würdevolles Leben bis zuletzt. Die Arbeit der 'Aktion Leben' geht alle an, weil sie wichtig ist für jeden einzelnen Menschen und das Zusammenleben der Gesellschaft".
"Jede Frau, die schwanger ist, kennt 'Aktion Leben' als Einrichtung, die sie unterstützt und an die sie sich wenden kann": Das ist die Vision der neuen Generalsekretärin. Karin Schmidtbauer betonte die Notwendigkeit der Kombination von Beratung und konkreter Hilfe, wie sie von der "Aktion Leben" praktiziert wird. Ein Schwachpunkt sei, dass noch viel zu wenige Frauen von diesem Angebot wissen. Insofern zeigte sich die neue Generalsekretärin auch sehr enttäuscht darüber, dass das Sozialministerium - noch unter alter Führung - Fördermittel für die Öffentlichkeitsarbeit der "Aktion Leben" drastisch gekürzt hat.
Die "Aktion Leben" stehe für eine "professionelle Beratung, die weder manipuliert noch zu etwas drängt", betonte die Generalsekretärin. Die Schwangeren könnten alle Für und Wider mit ihrer Beraterin von "Aktion Leben" in Ruhe abwägen und müssten dann selbst ihre Entscheidung treffen.
Karin Schmidtbauer plädierte dafür, die Gesellschaft noch viel kinderfreundlicher und behindertengerechter zu gestalten: "In einer Gesellschaft, in der Familien armutsgefährdet sind, in der ärztliche Befunde mitentscheiden, wer auf die Welt kommen darf, in der Schadenersatz zugesprochen bekommt, wer ein behindertes Kind zur Welt bringt, gibt es jede Menge zu tun". Einen Schwerpunkt werde die "Aktion Leben" daher auch weiterhin im Bereich der Bioethik setzen und klare Standpunkte für das Leben vertreten, kündigte die neue Generalsekretärin an.
Bildungsoffensive geplant
Die neue Generalsekretärin kündigte eine Bildungsoffensive der "Aktion Leben" an. Derzeit lernen rund 6.000 Schülerinnen und Schüler pro Jahr in und um Wien durch einen Workshop oder Vortrag die "Aktion Leben" persönlich kennen. Eine weitaus größere Zahl arbeite mit Unterlagen der "Aktion Leben". "Ich sehe hier noch viel unausgeschöpftes Potenzial", so die Generalsekretärin. Ein besonderes Anliegen sei ihr, die Jugendlichen mit bioethischen Themen vertraut zu machen. Es brauche gut informierte Menschen, die mit den neuen Möglichkeiten der Biomedizin "verantwortungsvoll umgehen und auch die Konsequenzen abschätzen können". Die Jugendlichen von heute sollten nicht unvorbereitet mit neuen Möglichkeiten wie der vorgeburtlichen Suche nach Behinderungen konfrontiert werden, so Karin Schmidtbauer.
Im neuen Regierungsprogramm kann die "Aktion Leben"-Generalsekretärin auch einige positive Ansätze erkennen: "Dass die Garantie der Menschenwürde endlich in den Grundrechtekatalog aufgenommen werden soll, halten wir für absolut positiv. Auch die geplante Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts begrüßen wir". Das gelte auch für alle Initiativen zur besseren Vereinbarkeit von Kindern und Erwerbsarbeit.
Zu den zahlreichen Schwachstellen des Programms zählt Karin Schmidtbauer u.a. die Tatsache, dass Alleinerzieherinnen beim Kinderbetreuungsgeld schlechter gestellt sind als Paare. Man habe auch die Tatsache nicht berücksichtigt, dass Kinderbetreuungseinrichtungen vielfach zu teuer sind.
Erst vor wenigen Tagen hatte die "Aktion Leben" kritisiert, dass das neue Regierungsprogramm vor allem "zum Thema Lebensschutz enttäuschend wenig Ideen" habe. So vermisse man eine deutliche Absage an die verbrauchende Embryonenforschung ebenso wie ein klares Bekenntnis zum Schutz schwangerer Frauen, die "verlässliche Rahmenbedingungen" benötigen, um sich "auch in schwierigen Situationen für ein Kind entscheiden zu können". Zu fordern sei dazu vor allem eine existenzielle Absicherung durch eine Valorisierung des Kinderbetreuungsgeldes und eine Erhöhung der Familienbeihilfe. Von beidem sei jedoch im neuen Regierungsprogramm "nur vage" die Rede, so die "Aktion Leben".
Schmidtbauer sprach im Rahmen des Pressegesprächs u.a. auch das "ständig größer werdende Wohnungsproblem" für schwangere Frauen und Familien mit Kindern an. Hier brauche es dringend Lösungen und hier müsse auch die Regierung initiativ werden.
Schmidtbauer kündigte an, dass sich die "Aktion Leben" mit konkreten Vorschlägen in die politische Diskussion einbringen wird. Man sei derzeit gerade dabei, ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten. "Wir werden auch weiterhin vehement die Interessen von schwangeren Frauen, Familien und Kindern und allen am Lebensschutz interessierten Menschen vertreten", so die Generalsekretärin. (ende)