Kirchenstatistik: Theologin sieht Licht und Schatten
Prof. Polak im "Kathpress"-Gespräch: "Stabiler Kern engagierter Menschen" in der Kirche und im Europavergleich noch immer "unglaublich hohe" Katholikenzahlen - Quantitativer Erosionsprozess aber weiter im Gang
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Wien, 10.01.12 (KAP) Licht und Schatten sieht die Wiener Pastoraltheologin Prof. Regina Polak in den aktuellen Daten der Kirchenstatistik. Es sei erfreulich, dass es gerade im engeren Bereich der Sakramentenpastoral eine "stabilen Kern engagierter Menschen" gebe, so Polak im "Kathpress"-Gespräch. Dieser Bereich spiele in der Arbeit der Kirche eine Schlüsselrolle und biete für viele kirchendistanzierte Menschen die "Erfahrungsmöglichkeit eines menschenfreundlichen Gottes". (15.140 Personen waren 2010 laut amtlicher Kirchenstatistik in der Erstkommunionvorbereitung tätig (2009: 15.215), 10.687 standen als Firmhelfer und Firmhelferin zur Verfügung (2009: 10.456).)
Auch seien die österreichischen Katholikenzahlen im Europavergleich immer noch "unglaublich hoch". Die Zahlen würden ausdrücken, was sich beispielsweise auch in der Europäischen Wertestudie gezeigt habe: "Österreich gehört nach wie vor zu jenen Ländern, in denen es eine starke konfessionelle Prägung gibt."
Andererseits dürfe man sich von den Zahlen aber nicht täuschen lassen: Ein Erosionsprozess bzw. Umbau der katholischen Kirche sei voll im Gang. Wenn man sich das Verhältnis von Taufen und Eintritten auf der einen Seite zu den Begräbnissen und Austritten auf der anderen Seite ansieht, sei klar: Die Kirche werde quantitativ kontinuierlich kleiner. Dieser Trend sei eindeutig, eine "Schubumkehr" nicht absehbar. Auch der Zuzug von Katholiken nach Österreich reiche dafür nicht aus.
Polak sprach von einer äußert fragilen Beziehung vieler Menschen zur Kirche. Die grundsätzliche Austrittsbereitschaft sei hoch, es brauche nur mehr wieder eine größere Krise und die nächste große Austrittswelle sei vorprogrammiert.
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Prof. Regina Polak
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Alarmsignale wolle sie darüber hinaus im Blick auf die Jugend aussenden. Aus Studien sei klar, dass die Distanz junger Leute zur katholischen Kirche überdurchschnittlich hoch ist; zum anderen würden die Jugendlichen durch die demografische Entwicklung immer weniger. Polak: "In der nächsten Generation wird es massive Einbrüche geben." Die Sorge um die jungen Menschen müsse deshalb in der Kirche oberste Priorität haben, forderte die Pastoraltheologin.
Zur Frage, wie die in absoluten Zahlen nicht besonders "erfolgreichen" Bemühungen der katholischen Kirche zu bewerten sind, Ausgetretene wieder zurückzugewinnen, meinte Polak, dass es auf den Blickwinkel ankomme. Messe man daran, ob es gelinge, den quantitativen Schrumpfungsprozess zu bremsen, könne man tatsächlich von gringem Erfolg sprechen. Angesichts der Probleme, die viele Menschen mit der Institution Kirche haben, seien die Zahlen auch wieder recht positiv zu bewerten.
Polak plädierte dafür, sich vom traditionellen Bild der Volkskirche zu verabschieden. Sie wolle für die Zukunft nicht von einer "Elitenkirche" sprechen, aber von einer "Großkirche", geprägt von einem engagierten Kern bei gleichzeitiger breiter Ausstrahlung. Der Auftrag Jesu, sich an alle Menschen zu wenden, bleibe stets aufrecht.