"Jugend ist Gegenwart, nicht erst Zukunft!"
Kärntner Bischof erinnert zur Eröffnung der Österreichischen Pastoraltagung an Wort Benedikts XVI. an Jugendliche, wonach diese "Vorbild und Anstoß" für Erwachsene sind
Image (img2) invalid or missing |
|
Salzburg, 12.01.2012 (KAP) "Die Jugend ist Gegenwart, nicht erst Zukunft - wie man immer wieder hört!": Das betonte der Kärntner Bischof Alois Schwarz am Donnerstag, dem Eröffnungstag der Pastoraltagung im Salzburger Bildungshaus St. Virgil. Die wichtigste gesamtösterreichische Bildungsveranstaltung stellt bis Samstag das Thema Jugend in den Mittelpunkt. Zum bewusst doppeldeutigen Titel "Jugend geht ab" sagte Schwarz, damit sei wohl gemeint, "dass sich etwas tun soll in unserer Kirche". Er erhoffe sich von der Tagung Impulse für einen "Aufbruch", zu dem auch junge Leute viel beitragen könnten. Der Bischof erinnerte an ein Wort Papst Benedikts XVI. an Jugendliche: "Seid euch bewusst, dass ihr für Erwachsene Vorbild und Anstoß seid."
Das Österreichische Pastoralinstitut (ÖPI) als Veranstalter der Tagung verzeichnete die Rekordzahl von knapp 500 Interessierten. Unter den Fachleuten aus der kirchlichen Seelsorge und Pädagogik befinden sich auch zahlreiche Bischöfe. Neben dem Kärntner Bischof Schwarz nehmen u.a. Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser, die Diözesanbischöfe Manfred Scheuer (Innsbruck) und Ludwig Schwarz (Linz), "Jugendbischof" Stephan Turnovszky sowie Weihbischof Franz Lackner und die Altbischöfe Maximilian Aichern und Paul Iby teil; Vertreter des Laienapostolats sind u.a. die Präsidentin der Katholischen Aktion, Luitgard Derschmidt, Laienrats-Präsident Wolfgang Rank und der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände, Josef Zemanek. Besonders begrüßt wurde vom ÖPI-Vorsitzenden Prälat Balthasar Sieberer die jüngste Teilnehmerin: Die Schülerin Judita Advilonyte ist mit ihren Eltern aus Litauen zu der Fortbildungsveranstaltung angereist.
Individualisierung, Pluralisierung und vor allem Globalisierung sind gesellschaftliche Megatrends, in denen sich heute eine Vielfalt verschiedenster Jugendszenen auftun. Der Wiener Jugendforscher Manfred Zentner gab am Donnerstag einen Überblick über die Frage, was heutige Jugendliche bewegt. Junge Leute hätten gegenwärtig viele Möglichkeiten, aber wenig Orientierung. Der Fortschrittsglaube der Generationen vor ihnen sei geschwunden, Ideologien und Werthaltungen austauschbar geworden. Die Bindungsängste vieler nicht nur junger Menschen führe viele Institutionen in die Krise, so Zentner. Bildung werde "instrumentalisiert" als Eintrittkarte in die Berufslaufbahn, aber ohne Garantie auf einen guten Job.
Vermeintliche Sicherheit würden Besitz und ein neuer Körperkult geben. Der Mitarbeiter am Wiener Institut für Jugendkulturforschung sprach von einer "Renaissance des Materialismus"; dieser äußere sich etwa in der hohen Bedeutung von Statussymbolen in manchen Jugendszenen, aber auch in einer Wertschätzung inszenierter Körperlichkeit, die noch vor 30 Jahren undenkbar gewesen wäre. Als Beispiel nannte Zentner die Beachvolleyball-Szene, in der den Sportlerinnen knapp sitzende Sportkleidung verordnet wird - eine freiwillig übernommene Regulierung, die in den frauenbewegten 1970er Jahren noch Barrikadenstürme hervorgerufen hätte.
Als Beispiele für heute gängige Szenen nannte der Jugendforscher die Fitnessszene, die Computerfreaks, "House", die Öko- und Alternativszene, "Krocha", HipHopper, "Emos" und etliche mit Sportarten wie Fußball, Mountainbike oder Inline-Skates verbundene Jugendszenen. Alle seien geprägt durch expressive Elemente wie Musik, Styling, Gestik oder Symbole, durch bestimmte Einstellungen wie Coolness oder Zu-sich-selber-Stehen und durch eine Beziehungskultur, die entweder mehr auf das Individuum oder die Gruppe im Gegensatz zur "Masse" abstelle. Und allen Jugendszenen gemeinsam: Sie sind wichtig für die Identitätsfindung.